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4-Wochen Individualreise nach Tibet & zum Kailash

26.07.2012
Manasarovar

Der Anflug auf Kathmandu ist bei klarer Sicht ein besonderes Erlebnis, majestätisch thronen die Giganten der Himalaja-Kette über der Stadt. Die Immigration auf dem Flughafen verlangt einem viel Geduld ab, die Warteschlange ist enorm, und bei nur zwei Schaltern bewegen wir uns gefühlt kaum von der Stelle. Aber die Nepali lassen sich nicht stressen und beim Anblick unseres letztjährigen Visums im Pass kam dem Beamten sogar ein Lächeln über die Lippen. Am Ausgang wurden wir sehr freundlich mit einem Blumenkranz von Barad, einem Mitarbeiter der nepalesischen Agentur empfangen. Nach einer Stunde durch das Verkehrschaos in Kathmandu waren wir am Abend dann auch schon im Hotel Vajra im Westen der Stadt. Noch vor dem Einchecken war große Hektik angesagt, weil für die chinesischen Visa noch ein paar Formulare gefehlt haben und eine Änderung des Zeitplans notwendig war. Aufgrund einer aufziehenden Schlechtwetterfront sollte versucht werden, bereits am Folgetag den Flug nach Nepalgunj und wiederum am Folgetag nach Simikot zu bekommen, vorausgesetzt, diese finden statt.

Nachdem die Hektik überwunden war, kam natürlich das etwas verrückt anmutende Vorhaben zur Sprache, im November zum Kailash zu reisen. Es war Neuland, keiner der Guides war bisher zu dieser Zeit dort und wir wurden auf deutliche Minusgrade eingestimmt. Nach Nepalgunj verlief der Flug planmäßig, im Gegensatz zu denen von und nach Lukla, von wo es in die Everest-Region geht. Seit einigen Tagen ging dorthin nichts mehr, der Ärger bei den wartenden Fluggästen in Kathmandu lies das Chaos dort oben ganz gut erahnen. Wir hatten einen schönen Blick auf das Annapurna-Massiv und den Dhaulagiri und genossen diese Flugstunde in vollen Zügen. In Nepalgunj ganz im Südwesten des Landes empfing uns unser Guide Phuri Sherpa.

Es galt, früh am nächsten Morgen am Flughafen zu sein, jede Chance nach Simikot zu kommen musste genutzt werden. Nach ein paar Stunden Ungewissheit klappte es schließlich und unser Guide Phuri zeigte sich sichtlich erleichtert. Zwischenzeitlich ist auch der Koch unserer Truppe dazu gekommen, Lalman Tamang.

Simikot ist der Ausgangspunkt unserer 6-tägigen Trekkingtour zur tibetischen Grenze, ein kleines, aber durch die Landepiste bedeutendes Handelszentrum auf etwa 2600 m. Phuri und Lalman machten sich rasch an das Packen der dort deponierten Ausrüstung und an die weitere Organisation. Es mussten Maultiere für das Gepäck gemietet und einige Einkäufe getätigt werden.

Am nächsten Tag ging es dann los mit dem Marschieren, zunächst bergauf über eine Anhöhe, dann aber tief runter ins Tal des Karnali-Flusses, den wir bis Tibet entlang gingen. Der Abstieg hatte es in sich und das am ersten Tag, unten wackelten und zwickten die Knie und jeder dachte wohl vor sich hin, ob es denn so etwas werden würde mit unseren Vorhaben Kailash und Lara Luna. Das erste Lager verblüffte uns, weil wir nun erst sehen konnten, dass trotz aller Einfachheit des Campens auch ein gewisser Luxus geboten werden kann. Ein separates Eßzelt mit Tisch und Stühlen war genauso dabei wie ein „Royal Palace“, wie in Nepal zuweilen das stille Örtchen genannt wird.

Der Weg ging nun talaufwärts, aber immer mit einem kräftigen Auf und Ab, durch kleine Bauerndörfer der dort hinduistisch geprägten Menschen, sehr arm und wirklich einfachste Verhältnisse darstellend. Angebaut werden in dieser Gegend und Höhenlage vor allem Gerste, Hirse und Kartoffeln. Immer wider kommen uns Lastenkarawanen aus Yaks, Maultieren und sogar Ziegen entgegen, ja sogar Ziegen werden mit kleinen Lastentaschen bepackt.

Weiter geht es, immer bergauf und bergab, den Karnali-Fluß entlang mal durch Restbestände von Nadelwald, mal durch Busch- und Weideland. Während in anderen Regionen Nepals wie z.B. im Annapurna-Gebiet und im Langtang-Nationalpark die Nutzung der Wälder streng geregelt ist, und auch Erfolge sichtbar sind, findet hier ein unkontrollierter Raubbau statt, mit ernsten Folgen bezüglich Fruchtbarkeit und Erdrutschen. Zwischendurch ließ sich der Saiphal Himal, ein imposanter 7000er erblicken. Der Besuch eines belebten Klosters war besonders beeindruckend, vor allem die Puja, in der christlichen Tradition würde man dazu Gottesdienst sagen. Wie auf ein Signal bekamen wir es ab hier nachts nun mit Frost zu tun. Als uns ein merkwürdiges Tier, durch die Beine huscht, erstaunt Phuri mit Deutschkenntnissen, „Pfeifhase“ erläutert er.

Je näher wir unserer erste Höhenherausforderung kamen, dem Nara-La Pass mit ca. 4600m, desto weitläufiger wurden die Ausblicke ins Tal. Immer wieder hielten wir inne und ließen die Landschaft auf uns wirken. Diese wurde nun immer karger, kaum mehr eine grüne Pflanze war zu entdecken.

An einem frühen Morgen war es dann soweit, steil bergauf und in Eiseskälte ging es zum Pass, auf dem bereits eine Herde imposanter Yaks auf uns wartete. Der Abstieg nach Hilsa, die letzte Siedlung in Nepal, zog sich enorm in die Länge, so dass wir die ersten Blicke nach Tibet sehr erschöpft wahrnahmen. Nach einer Stärkung meldete Phuri uns telefonisch beim tibetischen Guide an, der uns an der Grenze empfangen sollte, auf der anderen Seite der Brücke. Mit Guide Tundu, dem Jeepfaher Hu und dem Lkw-Fahrer Xiao ging es nun auf einer asphaltierten Strasse nach Purang, die erste größere Stadt in Tibet.

Am nächsten Tag trübte ein Schlechtwettereinbruch die ersten Blicke auf die 7728 m hohe Gurla Mandatha und die Seen Manasarowar und Langa Tso. Es war derart kalt und windig, daß es kaum auszuhalten war und wir befürchteten Übles für unsere weitere Reise. Es ging zunächst schon mal nach Darchen, dem Ausgangspunkt der Kailash-Umrundung auf ca. 4.500 m. Der Berg versteckte sich vorerst aber noch in Wolken. Nur mit dem Jeep ging es für ein paar Tage nach Westen in Tal des Sutley-River, wo es sehr viel zu entdecken gab. Neben heißen Quellen und alten Klostern waren vor allem die skurrilen Erdformationen im Clay Forest National Park mit Ausblick auf den Nanda Devi und die alten Guge-Tempel der Bön-Kultur in der Umgebung von Tholing, teilweise aus dem 7. Jahrhundert sehr interessant.

Zurück in Darchen ging es an die Vorbereitung der Kailash-Khora. Tundu bemühte sich um ein paar Yaks für das Gepäck, musste aber verkünden, dass keine mehr zu haben waren, da die gefrorenen Bäche für sie eine Gefahr darstellen würde. Es hieß also, das Gepäck selber zu tragen, spontan erklärte sich unser Jeep-Fahrer – wohl auch gegen ein kleines Entgelt - bereit, eine Trägerrolle einzunehmen. Die Khora passiert zunächst einen Zeremonienplatz, bei dem auch die traditionelle Himmelsbestattung stattfindet, neben den Geiern haben sich mittlerweile auch verwilderte Hunde darauf eingerichtet und sind in größeren Gruppen recht gefährlich. Tundu berichtete sogar von einem Todesfall durch Hunde. Im weiteren Verlauf machten sich zunehmend Höhenprobleme bemerkbar, nach Luft japsen wurde nun zur permanenten Handlung. Selbst einfache Tätigkeiten, wie z.B. das Schnüren der Schuhe hatten einen Keuchanfall zur Folge.

Die Übernachtung in einem recht belebten Kloster auf der Nordseite des Berges war ein weiteres Highlight, bevor es an den Aufstieg zum 5668 m hohen Dolma La ging. Es war eiskalt, wohl so an die - 20 ° C. Mit der exzellenten Verpflegung unseres Kochs und Begleiters, bewältigten wir diese Herausforderung letztlich doch recht gut und hielten an einem Meer aus Gebetsfahnen inne, um selbst noch eine mit den Namen unserer Liebsten dazu zu fügen.

Nach der Überschreitung des Passes soll nach buddhistischem Glauben ein neues Leben beginnen. Ein sehr klares Wetter, aber kaltes Wetter bescherte uns traumhafte Ausblicke auf den heiligen Berg Kailash. Wieder einmal zog sich der Abstieg ziemlich die Länge und wir waren froh als wir wieder in Darchen ankamen. Die Khora war ein besonderes Erlebnis, auch deshalb weil wir auf der im Sommer geradezu überfüllten Runde jahreszeitlich bedingt die einzigen Ausländer waren. Weiter ging es zu einem Lagerplatz am Manaasrowar-See, der eine kaum zu toppende Kulisse bot, herrlicher Blicke auf den See, auf eine Eisfläche und auf Kailash und Gurla Mandatha. Ein größeres Problem war jedoch der Aufbau des Lagers, da der gefrorener Boden keinerlei Zeltheringe in sich ließ.

Die größte Herausforderung stand uns noch bevor, die Besteigung des 6100 m hohen Lara Luna Peaks, so eine Art Vorgipfel der Gurla Mandatha. Die mit jedem Schritt nach oben überwältigender werdenden Ausblicke hätten alleine schon ausgereicht, um einem den Atem zu verschlagen. Die Höhe zwang uns in dieser Hinsicht zu einem unbarmherzigen Kampf mit der Atemluft. Nach einer Lektion in Sachen starkes und schwaches Geschlecht schafften wir es doch und standen ungläubig und stolz auf diesem 6000er. Die weitere Fahrt nach Osten führte uns über weite Steppenlandschaften mit schönen Bergblicken, ließ aber auch Einblicke in die harten Lebensbedingungen der tibetischen Landbevölkerung zu. An Dünen, der Stadt Saga und dem Brahmaputra vorbei erlebten wir am Fuße des 8013 m hohen Shisapangma die kälteste Nacht der Reise, etwa - 20 °C.

Nach einem letzten Pass ging es dann rasant abwärts, sehr schnell erschienen wieder Bäume und wir erreichten Zhangmo, eine wichtige Handelstadt an der Grenze zu Nepal. Dort wurde nach einer warme Duschen auf einer schönen Dachterrasse unsere gelungen Reise noch mit einem Kuchen zelebriert, den Lalman mit einfachsten Mitteln auf dem Gaskocher gebacken hatte. Am nächsten Tag ging es dann wieder über die Grenze nach Nepal. Bei der Fahrt nach Kathmandu durften wir an einem Erdrutsch noch etwas schieben, bevor wir am letzten Tag zu einem Abschiedessen mit Darbietung traditioneller Tänze eingeladen wurden. Claudia Horn, Tanja Hauser, Andreas Hauser

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: C. Horn, T. Hauser & A. Hauser
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