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Aktuelle Nepal-Informationen: "Neue Energien für Nepal"

09.07.2015

Wenn von Nepal die Rede ist, dominieren die Bilder, die direkt nach dem Erdbeben um die Welt gingen. Bilder, die sich einprägen, einstürzende Gebäude, verschüttete Menschen, Lawinen am Mount Everest, kurz Bilder einer Katastrophe, die uns in den ersten Tagen geschockt haben.

Nun ist das Erdbeben gut 10 Wochen her, unsere Partner schreiben uns viel von den tatsächlichen Zuständen vor Ort, den Aufräumarbeiten und dem Rückweg in das Funktionieren eines Gemeinwesens. Unsere Reiseleiter Minka Hauschild und Roman Mueller schrieben von den Hilfsaktionen, die sie im Juni vor Ort durchgeführt haben.

Zeit für mich, selbst nach Nepal aufzubrechen, mir ein Bild zu machen, die Hilfsorganisationen und Partner zu besuchen und gemeinsam mit Atmosfair und unseren Kollegen von Hauser Reisen, ein mittelfristiges Projekt „Neue Energien für Nepal“ zu begründen. Es war eine intensive, spannende Woche, in der ich Nepal wieder in all seinen Facetten erleben durfte.

Als ich in Kathmandu ankam und auf dem Weg zum ersten Treffen mit unserer Agentur durch die Stadt fuhr, hatte ich den Eindruck durch ein lebendiges, geschäftiges Kathmandu zu fahren, wie ich es seit jeher kenne. Alle Geschäfte waren geöffnet, Händler boten auf der Straße ihre Waren feil, den Gebäuden sind ohne Expertenblick keine Schäden anzumerken… ab und zu begegnet man einem eingestürzten Haus, auf einigen Freiflächen gibt es Zelte, ein sicherlich zu 98% normales, gewohntes Straßenbild. Was auffällt ist, dass kaum ein Tourist im Land ist. Es ist zwar Monsunzeit, also Nebensaison, dennoch würden die Menschen aus allen Ländern normalerweise die Straßen bevölkern, aber jetzt scheint niemand mehr zu kommen.

Das Erdbeben hat seine verheerende Spur weniger in Kathmandu, sondern in den Dörfern einiger Distrikte hinterlassen. Ca. 13% von Nepals Regionen, besonders nordwestlich und nordöstlich von Kathmandu sind betroffen. Wenn man mit Menschen von dort redet, zeichnet sich ein Bild, das schwer vorstellbar ist. Es gibt Dörfer, wie es ja auch in der Filmberichterstattung gezeigt wurde, in denen alle Häuser zerstört sind. Dort haben auch fast alle Überlebenden Todesopfer in den Familien zu beklagen.

Eines dieser kleinen Dörfer ist Zangbo in der Sindhulpalchok Region, nordöstlich von Kathmandu an der Straße zur Grenze von Tibet gelegen. Den Menschen, die ihre Häuser über dem Kopf verloren haben, bleibt jetzt in der Monsunzeit, in der durch das gelockerte Gestein weitere Erdrutsche drohen, nichts als nach Kathmandu zu kommen. Hier brauchen sie eine Notunterkunft für die nächsten drei Monate, bis sie zum Wiederaufbau im Herbst in ihr Dorf zurückkehren können.

Insgesamt 105 Menschen dieses Dorfes sind gekommen und Minka Hauschild, unsere Reiseleiterin, Yogalehrerin und Künstlerin, die seit Jahren ein sehr enges Verhältnis zu Nepal hat, baute im Juni für sie und mit ihnen ein provisorisches Lager auf. Es liegt am Rand von Kathmandu, inmitten von Reisfeldern. Kinder, Eltern, Großeltern leben hier als Familien zusammen in Zelten und Wellblechtunneln, auf Holzbetten vom Regen geschützt. Minka hatte über einen Monat durch verschiedene Aktionen, u.a. auch von früheren Trekkingteilnehmern insgesamt ca. 15.000 Euro eingesammelt und dadurch diese Unterkunft für die fast mittellosen Leute möglich gemacht.

Nach einem sehr warmen Empfang einer Delegation des Camps zeigten sie mir ihre Zelte, ihre Kochstätten, ihre Familienmitglieder. Es herrschte eine Stimmung, in der spürbar war, dass sie viel durchgemacht haben, aber auch froh sind, als Dorf an diesem Platz zusammen sein zu können und ein (improvisiertes) Dach über dem Kopf so wie regelmäßiges Essen zu haben. Unsere Agentur Himal Eco begleitet vor Ort die Menschen jetzt weiter und ist Bindeglied zwischen uns und den Dörflern.

Hauptziel meiner Reise war es ja aber, ein Projekt „Neue Energien für Nepal“ mit ins Leben zu rufen, bei dem wir mit dem Forum Anders Reisen und Atmosfair gemeinsam den Wiederaufbau in stark betroffenen Regionen von Grund auf ökologisch gestalten wollen. Dazu hatten wir in Kathmandu eine Konferenz und haben uns geeinigt mit dem Gebiet Helambu – Langtang, einer Region in der Nähe von Kathmandu, die besonders schlimm betroffen war, zu beginnen.

In einer ersten Phase wird jetzt innerhalb einer Woche von unseren Agenturen der Bedarf ermittelt und dann in einer gemeinsamen Aktion an die qualifizierten Haushalte im Zielgebiet je ein Fotovoltaikpanel für elektrisches Licht und Batterieaufladung sowie ein effizenter Kochherd verteilt, der den Holzverbrauch um 80% senkt.

In einer zweiten mittelfristigen Phase soll der Wiederaufbau durch den Einbau von Biogasanlagen, Fotovoltaik, Sonnenkollektoren und kleinen Wasserkraftwerken unterstützt werden, je nachdem was in welchem Gebiet sinnvoll ist. Dabei werden Schulen und Sozialprojekte wie Gesundheitsstationen zu 100% und Lodges oder Privathaushalte zu 50% gefördert. Ergänzt werden die Maßnahmen durch Schulungen zum richtigen Umgang mit Energie und zur Müllvermeidung, bzw. richtigen Entsorgung.

Gedacht ist das Projekt als Musterregion, die dann anderen Regionen in Nepal als Vorbild dienen kann. Wir hoffen so, Erdbebenhilfe mit einer ökologischen Erneuerung verbinden zu können. Schön ist dabei, wie sich alle Projektbeteiligten einig sind, die Menschen und die Sache in den Vordergrund und eigene Interessen hintenan zu stellen. So wurde eine Kooperation von Wettbewerbern möglich, die dafür spricht, dass so eine Katastrophe wie das Erdbeben sicherlich auch einen Wendepunkt markieren kann, der neue Chancen eröffnet. Mehr über das Projekt finden Sie in diesem Flyer.

Die Nepali sind jedenfalls sehr entschlossen, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und ihr Land wieder neu aufzubauen. Wichtig dafür ist allerdings, dass wir Touristen bald wieder zurückkehren, da wir die wichtigste Einnahmequelle sind.

Gerade in einer solchen Situation scheint oft der natürliche Reflex nicht hinreisen zu wollen, da man die Menschen vor Ort nicht noch mit uns beschäftigen möchte. Wichtig ist den Nepali aber, wie ich in vielen Gesprächen erfahren konnte, gerade das Gefühl nicht „vergessen“ zu werden und durch die Kunden aus aller Welt weiterhin Gelegenheit zu haben, selbst ihren Unterhalt und ihren Wiederaufbau verdienen zu können.

Wir dürfen nicht vergessen, dass „nur“ 13% dieses wunderschönen, vielfältigen Landes betroffen sind. Es herrscht eine weitverbreitete Sorge, dass die überzeichneten Katastrophenbilder in den Medien die Gäste auf Jahre fern halten könnten, was für Nepal einer zweiten Katastrophe gleich käme, da dann sicher auch immer mehr junge nepalesische Fachkräfte als Gastarbeiter in den Nahen Osten gehen würden.

Ich kann Ihnen versichern, dass Sie bei einer baldigen Reise nach Nepal nach heutigem Stand beruhigt reisen können. Die Menschen haben ihren Alltag wieder hergestellt und bemühen sich mit vereinten Kräften um Wiederaufbau. Der Monsun in Nepal ist durchaus eine gute Reisezeit im Kathmandutal und in Pokhara, da Regen immer nur stundenweise und auch oft in der Nacht fällt.

Ab Herbst sind dann auch Trekking- oder leichte Wanderreisen wieder möglich, Gebiete wie Annapurna, Mustang, Everest und Kangchendzönga laden wieder zum Besuch ein, der blaue Himmel strahlt hinter den leuchtenden Schneegipfeln.

Wenn Sie Nepal durch Ihre Reise unterstützen möchten, sind Wolfgang Keller und Angelika Sturtz gerne Ihre Ansprechpartner, um eine Reise nach Ihren Wünschen zusammen zu stellen. Nepal-Reiseideen finden Sie hier.

Die beiden sind aber auch Experten, Ihre Reise ganz individuell zu planen und dabei eine hohe Orientierung auf „Community based tourism“ zu wahren, damit die Menschen in Nepal ganz direkt von Ihrer Reise profitieren. Das ist es, was die Menschen dort im Augenblick am meisten brauchen.

Seien Sie dabei sicher, dass eine Reise nach Nepal zur Zeit sicherlich eine besondere Erfahrung ist, die Sie in unmittelbaren Kontakt mit dem Land und den Menschen Nepals bringt und die viel Gutes bewirken kann.

Mit herzlichem Gruß,

Markus Hegemann

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