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Interview mit Yogalehrerin Kathleen Schwiese

02.05.2017
Kathleen Schwiese

Was ist Soul-Yoga? Und warum entscheidet man sich dazu, Yogalehrerin zu werden und in die Türkei auszuwandern? Kathleen Schwiese erzählt im Interview dies und vieles mehr:

Liebe Kathleen,
wie kamst du zu Yoga und gab es ein Erlebnis, welches dich bestärkt hat, Yogalehrerin zu werden?

Es gab kein bestimmtes Erlebnis und ich hatte auch keinerlei Erwartungshaltung, als ich im Jahr 2004 meine erste Yoga-Ausbildung machte. Soweit ich mich erinnere, stand mir der Sinn einfach nach Veränderung, denn es lagen bereits ein paar Jahre Tätigkeit als Group-Fitness-Trainerin hinter mir. Ich hielt neben meinem Bürojob nebenberuflich Kurse, machte diverse Trainer-Ausbildungen und hatte unter anderem gerade die Personal Trainer Lizenz erworben, machte eine Existenzgründung. Was mir damals in der Branche vielleicht manchmal ein bisschen fehlte, war die Bedeutung von Körperwahrnehmung, Präsenz und Fokussierung – einfach die Tiefe.

Das kommt sicherlich daher, dass „Physischer Ausdruck“ von jeher Bestandteil meines Lebens war. Als Jugendliche war ich Leistungssportlerin, täglich in der Sporthalle, begeistert vom Turnen, Trampolinspringen oder Tanzen – besuchte später eine Stage & Musical School und spielte in einem Musical. Die Bewegungsformen haben sich m Laufe der Jahre geändert, zum Beispiel in Yoga. Und das ganz „un-akrobatisch“ - denn Yoga hat per se erst einmal nichts mit Verbiegen und Verknoten zu tun.

Um Eure Frage nach einem Erlebnis vielleicht doch noch zu beantworten: Bei meiner ersten Yogalehrer-Ausbildung dauerte es kaum zwei Stunden, da hatte ich bereits das Gefühl „nach Hause“ zu kommen. Das hört sich jetzt vielleicht etwas merkwürdig an, aber mir flog die Yoga-Philosophie irgendwie zu – so, als müsste sie mir nicht erklärt werden. Vermutlich lag das auch daran, dass ich mich bereits Jahre vor meinem ersten Yoga-Kontakt mit spiritueller Literatur und verwandten Themen auseinandergesetzt hatte. Jedenfalls erinnere mich auch noch sehr genau, wie mir während des Haltens einer Position, also einer Asana, plötzlich die Tränen kamen; da wusste ich: Yoga macht etwas mit mir - und offensichtlich auch mit anderen.

Du bist nicht nur Yogalehrerin sondern unter anderem auch Personal Fitness Trainerin, Burnout-Coach und Meditationslehrerin. Integrierst du das Wissen deiner verschiedenen Tätigkeiten in deinen Yogaunterricht und wie würdest du deinen Yoga-Stil beschreiben?

Das ist eine interessante Frage! Ja, natürlich fließen meine Kenntnisse aus verschiedenen Bereichen in variablen Anteilen in meinen Unterricht ein – ganz egal, ob in Coachings, Stress-Präventions-Seminare oder Yoga-Retreats. Letztendlich ist alles miteinander verbunden, greift ineinander: Anatomie-Wissen aus der Fitness-Lehre, Erfahrungen aus meiner Arbeit als Entspannungstrainerin, Coach und Mental-Trainerin, die Yoga- und Pilates-Ausbildungen – das und mehr integriere ich. Übrigens habe ich im Jahr 2004, im gleichen Jahr meiner ersten Yoga-Erfahrung, auch meine erste Pilates-Trainer-Ausbildung absolviert und sofort mit dem Unterrichten begonnen. Ich halte viel von der Pilates-Methode, sie spendet dem Körper tatsächlich in relativ kurzer Zeit Kraft, Haltung und Anmut.

In jedem Fall berührt ja die umfassende Yoga-Philosophie auch die meisten Bereiche in der Stress- und Burnout-Prävention sowie im Coaching für Persönliches Wachstum im allgemeinen – oder deckt sie sogar ab. Nach meinem Dafürhalten braucht oder muss man da gar keine Trennlinie ziehen, denn meiner Meinung nach ist die Essenz aus den unterschiedlichen Therapieansätzen letztendlich die gleiche - ob es nun von Ärzten und Krankenkassen anerkannte Entspannungsmethoden sind, wie beispielsweise die Progressive Muskelentspannung oder das Autogene Training, oder eben Yoga, aber auch eher physisch ansetzende Methoden wie Pilates oder Rückengymnastik. Das Eingangstor unterscheidet sich lediglich ein wenig, so wie Menschen unterschiedlich sind. Dem einen oder anderen missfällt ein bestimmtes Tor, während sich andere wiederum davon angezogen fühlen. Doch wenn man erst einmal durch ein Tor gegangen ist, führt der Weg in der Regel doch zur gleichen Erkenntnis. Übrigens, der sogenannte „Bodyscan“, geschätzter Bestandteil des MBSR-Training, (Abkürzung steht für Mindful Based Stress Reduction, Gründer ist Jon Kabat Zinn), ist der buddhistischen etwa 2500 Jahre alten Vipassana-Meditation entlehnt. „Vipassana“ bedeutet so viel wie "die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind“. Hier wird wieder schnell klar, dass man immer wieder auf die Achtsamkeit stoßen wird, - ob Yoga oder anderswo - selbst wenn das Wort in letzter Zeit sehr häufig durch die Medien gegangen ist und fast ein wenig abgenutzt scheint.

Die Yoga-Richtungen, die ich lehre, sind Hatha-, Vinyasa- und Yin-Yoga. Über andere Yoga-Stile habe ich zu wenig Kenntnis oder ich bin mit ihnen noch nicht in Berührung gekommen, evtl. liegen sie mir nicht. Ich möchte nur das Lehren, was ich vertrete und fühle, um authentisch zu sein. Pranayama und Meditation ist Bestandteil meines Unterrichts.

In Jedem Fall aber integriere ich mein eigenes Talent, und das finde ich noch viel wichtiger. Jedem ist doch ein Talent angeboren, das zum Ausdruck gebracht werden will und welches das Leben derjenigen Menschen, auf die wir treffen, bereichern kann. Wenn man authentisch ist, lässt man andere an den eigenen Fähigkeiten teilhaben, kann Wissen ohne Umwege vermitteln!

Mir sagt man in meinen Seminaren beispielsweise häufig, dass meine Stimme besonders angenehm und beruhigend sei und sich daher für geführte Meditationen sowie Entspannungs-Anleitungen eignet. Seit Jahren werde ich immer wieder gefragt, ob man CD’s von mir erwerben kann. Das wird nun bald der Fall sein; gerade arbeite ich unter anderem an einem e-book. Gesammeltes Wissen aus meinem Berufsleben fließen dort hinein und es wird verschiedene Angebote bereithalten - egal, ob jemand das Medium nutzt, um stressfreier zu leben oder um Unterstützung beim Meditieren zu erhalten oder nach einem Slow-Food-Seminar zu suchen. Über eine separate Applikation kann man Anregungen für Persönliches Wachstum in Anspruch nehmen, sich allgemein über Yoga informieren, nach einem passenden Yoga-Retreat oder einer Yoga-Ausbildung Ausschau halten. In 2017 biete ich erstmals ein 200 hrs-Teacher Training an.

Sind dir auf deinem Weg Yogalehrende begegnet, die für dich eine besondere Inspirationsquelle sind bzw. waren?

Ja, meine Ausbilderinnen im Teacher Training in Sri Lanka. Das waren zwei Australierinnen unterschiedlichen Alters und Typus, jede auf ihre Art inspirierend. Obwohl es schon Jahre her ist, denke ich sehr häufig und stets mit einem guten Gefühl an die beiden – es ist, als ob sie mich begleiten; das ist ein warmes, herzliches Gefühl.

Sharon Gannon und David Life fallen mir ein  – weil sie den Aspekt des Mitgefühls für alle Lebewesen in ihrer Yoga-Lehre nicht vergessen. Zwar habe ich die beiden Jivamukti-Yoga-Gründer nie persönlich kennen gelernt, doch ich habe große Achtung vor ihrem philosophischen Ansatz. Die Überzeugung der Gleichstellung liegt der Yoga-Philosophie an sich ja zugrunde und hat somit für alle Yoga-Richtungen Gültigkeit – nicht nur für Jivamukti-Yoga. Man denke zum Beispiel an den Sanskrit-Vers „Lokah Samastah Sukhino Bhavantu“, der übersetzt so viel heißt wie „Mögen alle Wesen Glück und Harmonie erfahren“. Ich finde den veganen Lebensstil und das umweltbewusste Verhalten jedenfalls konsequent, egal ob inner- oder außerhalb der Yoga-Szene.

Vermutlich war ich schon als Kind „spirituell“, ohne dass es mir jemand hätte erzählen müssen, jedenfalls redete ich mit Bäumen und dem Meer und war eher introvertiert. Trotz Freundeskreis empfand ich mich oft als Außenseiter; spätestens dann, wenn die anderen um mich herum kaum Empathie für Natur und Tiere empfanden und – im Gegensatz zu mir – es selbstverständlich fanden, Fleisch zu essen. Als Außenseiter empfinde ich mich aber schon lange nicht mehr. (lach)

Du kennst die Türkei sehr gut und hast bereits einige Reisen von NEUE WEGE an die Lykische Küste begleitet. Was fasziniert dich besonders an diesem Land?

Ja, das stimmt, die Türkei kenne ich ganz gut. Die NEUE WEGE-Vitalwochen, die ich 2015 im Olympos Mitos begleiten durfte, waren wunderschön: die Stille, die klare Luft, die ursprüngliche, den Seminarort umgebende Natur, der Duft der Kräuter… Die Türkei ist ein wirklich großes Land mit verschiedenen Klimazonen und Vegetationen, die Küsten bieten zum Teil ganz unterschiedliches Ambiente. Anfang der 80er Jahre reiste ich erstmals in die Türkei, lernte die Küstenregion von der Ägäis bis zur Türkischen Riviera weit im Süden kennen. Ein paar Jahre später im Jahr 2008 lockte mich ein Job in einem exklusiven Hotel, gelegen in einer abgeschiedenen Bucht bei Fethiye. Ich blieb 2 Saisons und bildete direkt im Anschluss in Istanbul Yoga-Trainer aus. In den Jahren danach arbeitete ich weltweit als Yogalehrerin oder Fitness- und Event-Expertin in Asien und Europa für Hotels oder Organisationen, war immer seltener in Deutschland. Hinzu kamen Yoga- und Pilates-Ausbildungen in USA und Südostasien. Als sich vor 3 Jahren eine Gelegenheit ergab, an der türkischen Ägäisküste zu leben, sind mein Mann und ich ausgewandert.  

Deine nächste Reise mit NEUE WEGE geht im September nach Sardinien ins Hotel Galanìas. Wem empfiehlst du diese Reise besonders?

Ich empfehle sie jedem (lach), weil Achtsamkeit, Leben im „Jetzt“ und urteilsfreie Akzeptanz wirklich etwas für Jeden ist. Ganz besonders interessieren mag die Reise vermutlich diejenigen, die sich Unterstützung und Begleitung beim Ausprobieren wünschen und die sich mit Abstand zum Alltag in einer schönen Umgebung darauf einlassen möchten.

In dieser Woche bietest du „Soul-Yoga“ an. Was versteckt sich hinter diesem Yoga-Stil?

Ich möchte die Achtsamkeitslehre wieder stärker in den Yoga-Fokus rücken. Ich hatte ja bereits das Beispiel der buddhistischen etwa 2500 Jahre alten Vipassana-Meditation genannt. Da kam mir die Idee, „Soul-Yoga“ anzubieten. Eine Wort-Kreation „Mind-Yoga“ führte hier in die falsche Richtung, denn wir wollen uns bei der Achtsamkeit ja mit den Gedanken, die dem Geist entspringen, nicht direkt auseinandersetzen, sondern sie lediglich beobachten, ein wenig wie von außen, denn sonst würden wir den Inhalt unserer Gedanken womöglich nur noch intensivieren. Reines Bewusstsein aber hat keine Gedanken, kann aber als Beobachter fungieren, um die Fluktuation des Geistes (Gedanken) wahrzunehmen. Denkmuster, die uns immer wieder in unliebsame Situationen bringen, können erkannt werden. Nur was erkannt wird, kann verändert werden. Obwohl es modern klingt, ist das alles ur-alte Yoga-Weisheit!

Immer häufiger trifft man auf den Begriff „Achtsamkeit“. Zu Recht, wie ich finde - verbirgt sich dahinter doch so viel, was zu einem guten Leben führen kann. Achtsam sein heißt beispielsweise auch, gewohnheitsmäßige Tätigkeiten wie beispielsweise Zähne putzen mit wachsender Bewusstheit auszuführen. Oder denken wir an achtsames Essen, also Slow-Food. Die neuzeitliche Bewegung und gleichnamige Organisation haben übrigens Italiener erfunden in der 1980er Jahren, um mit regionalem, saisonalem, ökologischem Anbau und genussvollem Verzehr mit allen Sinnen dem Fast-Food entgegen zu treten. Ein Slow-Food-Seminar kann eine bahnbrechende Erfahrung sein; für die Sinne und weil es bewusst machen kann, was wir uns mit schlechtem und hastigem Essen antun. Ich integriere übrigens immer gern eine Achtsam-Essen-Erfahrung in meine Retreats und biete demnächst auch reine Slow-Food-Wochenenden an.

Achtsamkeit bereichert jede Sekunde unseres Lebens, denn es birgt Überraschungen und es verlängert „gefühlt“ das Leben. Wir leben jetzt und nicht gestern oder morgen. Vergangenes ist geschehen und nicht mehr zu ändern, die Zukunft ist ungewiss und noch nicht geschehen, doch auch sie wird aus Augenblicken „im Jetzt“ bestehen. Der gegenwärtige Augenblick ist die einzige Zeit, die jemals existiert.

Achtsamkeit heißt auch, die Dinge anzunehmen, also bewusst zu akzeptieren, denn sie sind ja nun schon mal da – also können wir sie ebenso gut auch annehmen, anstatt uns dagegen zu wehren. Das Kämpfen verbraucht unnötig Ressourcen, die wir uns für Zeiten der Veränderung aufheben können. Sich gegen den Moment zu wehren, so wie er gerade ist, heißt, sich gegen das gesamte Universum zu wehren. Außer verloren gegangener Lebensenergie und Stressempfinden ist meistens nichts weiter geblieben. Der gegenwärtige Moment ist nicht zu ändern, wohl aber die innere Einstellung dazu. Alles hat die Bedeutung, die man ihm beimisst. 

Alles, was wir denken oder tun, wirkt sich auf einer anderen Ebene aus – das Gesetz von Ursache und Wirkung (Kausalität) ist ein Naturgesetz und ebenso unumstößlich wie das der Schwerkraft. Und ob wir es glauben oder nicht: so etwas wie Trennung existiert in der Welt nicht, sondern alles ist mit allem verbunden. Mit jedem Ein und Ausatmen tauschen wir etwa zehn Milliarden Billionen Atome mit unserer Umwelt aus – wie könnten wir da von irgendetwas getrennt sein?

Global kann man das momentan sehr gut beobachten – in vielerlei Hinsicht.

Darum habe ich – auch wenn die Herleitung nicht in der Gänze zutreffen mag, diesen Weg der Achtsamkeit den Namen „Soul-Yoga“ gegeben. Mehr dazu und anderes mehr auch in meinem Neue-Wege-Blog, der gerade erscheint.

Und ich möchte bezogen auf diesen Yoga-Stil gern folgenden Upanischaden-Vers zitieren:

Du bist wie deine tiefen, drängenden Wünsche.
Wie deine Wünsche, so ist dein Wille.
Wie dein Wille, so ist deine Tat,
und wie deine Tat, so ist dein Schicksal.
(Brihadaranyaka Upanischade IV.4.5.)

Zu guter Letzt, hast du eine Yogaweisheit oder eine Übung, die du unseren Bloglesern mitgeben möchtest?

Ja. Etwas ganz einfaches:

  • Setz Dich still hin, schließe die Augen und beobachte Deinen Atem wie er ein und ausströmt, ohne ihn zu verändern.
  • Dann beobachte Deine Gedanken urteilsfrei. Lass sie einfach so sein.
  • Gib den Gedanken Namen. Zum Beispiel: „ah, dies ist eine Sorge“, „dies ist ein Plan“ usw.
  • Nach einigen Momenten stelle Dir die Frage: „Was wäre ich ohne diese Gedanken?“

Was die Yoga-Weisheit angeht – da gibt es so viele wunderbare. Aber passend zur Soul-Yoga-Woche gern diese hier:

 „Yoga citta vritti nirodhah.“ - "Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen und Stillwerden der Aktivitäten des Geistes."
(aus dem Yoga-Sutra, Dem Achtgliedrigen Pfad des Weisen Patanjali)

Vielen Dank, liebe Kathleen, für dieses interessante und aufschlussreiche Interview!

Kathleen Schwiese
Yogalehrerin Kathleen Schwiese
Dieser Reisebericht wurde geschrieben von: Kathleen Schwiese

Kommentare


Detlev schrieb am 21.06.17 um 12:50 Uhr:

Hallo Kathleen,
Dankeschön für diesen wunderschönen Einblick in die Yoga Lehre. Ich glaube wir gehetzen Menschen der westlichen Welt können noch sehr viel von Dir und dieser Lehre lernen! Deswegen freue ich mich jetzt schon sehr auf das Burnout Seminar im September

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