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Ursprüngliches Burma - Interview mit Sandor von EXO Travel

29.03.2018
Ein fröhliches Gesicht

Burma, oder Myanmar, ist ein einzigartiges, noch wenig bereistes Land. Auf unseren Reisen nach Burma begleitet Sie unsere Partner Agentur EXO Travel vor Ort und zeigt Ihnen die inspirierende Ursprünglichkeit dieses wunderschönen Landes und seiner freundlichen Menschen, die immer ein ehrliches Lächeln auf den Lippen haben. Hier können Sie die atemberaubende Natur und Kultur Burmas fernab der bekannten Touristenpfade entdecken und echte Begenungen mit den Einheimischen erleben - Abenteuer pur! Wir hatten die Chance ein spannendes Interview mit Manager Sandro von EXO Travel zu führen, der seit drei Jahren in Myanmar lebt und Ihnen faszinierende Orte und Insider-Tipps berichtet.

 

Lieber Sandro,
Sie sind der Burma Destinations-Manager unserer Partner-Agentur EXO Travel. Wie würden Sie Land und Leute beschreiben?
Als erstes möchte ich mich bei NEUE WEGE dafür bedanken, dass sie den Gästen das facettenreiche Burma zeigen. In der letzten Zeit gab es immer wieder negative Schlagzeilen in Verbindung mit dem Land. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass die breite Mehrheit allen Menschen nur das Beste wünscht, ungeachtet der Herkunft, Religion oder Hautfarbe. Wir verstehen, dass viele Touristen seither nicht mehr nach Burma reisen möchten. Andererseits ist der Tourismus eine wichtige Einkommensquelle für Millionen Menschen, die in Burma leben und zurzeit viele Verluste hinnehmen müssen. Es ist auf jeden Fall sicher durch Burma zu reisen und man blickt überall in freundliche Gesichter, die alle Besucher willkommen heißen. Nun aber zurück zur Frage.

Sie sollten wissen, dass Burmesen eigentlich eine Kombination von vielen verschiedenen Stämmen sind. Burma ist flächenmäßig ein sehr großes Land, etwa doppelt so groß wie Deutschland, mit rund 53 Millionen Menschen. Darunter die mehrheitliche Gruppe der Barma, die im Zentrum des Landes zu finden sind sowie viele andere, beispielsweise die Shan aus dem Hochland, die Pao aus den Bergen, die Wa aus den Grenz-Regionen zu Thailand und China, die Chin in den nördlichen Bergen, die Moken bei den Inseln im Süden und viele viele mehr.

In Myanmar angekommen, werden Sie feststellen, dass jeder ein Lächeln auf den Lippen hat, wenn Sie mit ihm kommunizieren. Seien Sie sich sicher, das Lächeln ist echt – nicht wie man es manchmal aus anderen Teilen Asiens kennt. Vielleicht ist das so, weil das Land noch sehr wenig besucht wird und die Burmesen von Natur aus sehr neugierig sind und sich sehr gerne mit uns unterhalten, auch wenn sie teils recht schüchtern wirken. Besonders auf dem Land ist man umgeben von lächelnden Gesichtern, Kinder laufen einem hinterher, nur, um mehr über diesen „komischen Besucher“ herauszufinden, der wir ja sind. Das wohl Wichtigste ist: Was immer Sie tun, nehmen Sie sich Zeit, um mit den Leuten zu sprechen und lächeln Sie zurück!

 

Sie kommen ursprünglich aus den Niederlanden. Wie lange leben Sie nun schon in Burma und warum haben Sie sich für dieses Land entschieden?
Ursprünglich komme ich aus einer kleinen Stadt im Schatten von Amsterdam. Ich studierte an der University for Tourism im Süden von Holland und habe bereits in einem Dutzend Länder gearbeitet. Angefangen habe ich als Reiseleiter im Getümmel, um dann irgendwann vom Schreibtisch aus Reisen zu organisieren. Bevor ich endgültig in Yangon gelandet bin, stand mein Schreibtisch in Vietnam, Indonesien, Thailand und Japan. Meine Frau und ich waren davor bereits 2005 einmal in Burma. Wir erkundeten für einen Monat das Land und realisierten, wie unterschiedlich Land und Leute waren im Vergleich zu anderen Teilen Südostasiens. Die Menschen, die damalige Entwicklung, das Essen und auch das Licht schienen anders zu sein. Wir hatten magische Erlebnisse als wir den Fluss Irrawaddy Stromabwärts vom hohen Norden Richtung Mandalay mit einer langsamen Fähre fuhren. Es hat insgesamt drei Tage gedauert, in denen wir auf dem Deck in mitten von Einheimischen geschlafen haben. Dieses Boot war die einzige Verbindung der Leute, die entlang des Flusses wohnten, und dem Rest der Welt. Und deren Welt war ohnehin schon klein! Im Jahr 2015, während ich noch in Japan gearbeitet habe, sah ich die Möglichkeiten, hierher zurück zu kommen und ein kleiner Teil der touristischen Entwicklungsgeschichte des sich schnell entwickelnden Landes zu werden. So habe ich mich für diesen Job beworben und meine Familie und ich sind seit jeher „Yangoniten“.

 

Was sind Ihre Lieblingsplätze in Burma?
Das ist einfach zu erraten. Ich bin wie alle Holländer; wir stammen aus einem sehr flachen Land und lieben somit die Berge. In Burma gibt es sehr viele Bergregionen. Kaum einer weiß, dass im äußersten Norden von Burma der höchste Berg von ganz Südostasien liegt. Er wird Hkakabo Razi genannt, ist 5.881 Meter hoch und ist noch Teil der Himalaya-Bergkette. Wie so viele Berge in Burma wird auch dieser selten erklommen. Es dauert alleine drei Wochen, um nur zum Basecamp zu gelangen. Ich für meinen Teil bleibe lieber bei einfacheren Herausforderungen. Letzten Herbst habe ich an einem Adventure Guide Training teilgenommen und wir sind zum Trekking in die Chin Region gefahren. Es war wirklich die beste Wanderung, die ich je gemacht habe. Hier ist man umgeben von sanften Hügeln, kleinen Dörfern mit Holzhäusern und Natur soweit das Auge reicht. Es ist auch die Heimat der Frauen mit den tätowierten Gesichtern. Diese Tradition wurde schnell zur Vergangenheit, wir haben jedoch noch ein paar solcher Gesichter gesehen. In den ganzen fünf Trekking-Tagen haben wir tatsächlich nur ein einziges Mal andere Touristen getroffen!

Abgesehen von den Bergen liebe ich es, nach Bagan zu gehen. Dieser unglaublich weite Platz ist allgemein bekannt als das „Feld mit 4.000 Tempeln“. Daher meine Empfehlung, schnappen Sie sich ein E-Bike und erkunden Sie versteckte Ruinen und kleine Dörfer, nutzen Sie die Aussichtsberge und genießen Sie diese magische Stimmung, die über der gesamten Anlage liegt. Diese Aussichtsberge wurden angelegt, damit die Besucher nicht für die schöne Aussicht auf eine der antiken Tempelgebäude klettern. Es ist immerhin das Wahrzeichen von Burma und wir sind daher verpflichtet, es zu erhalten.

Einen Lieblingsplatz habe ich noch. Erst vorletztes Wochenende bin ich für eine Inspektionsreise weit in den Süden gefahren, genauer gesagt in die Mergui Region. Diese Gegend besteht aus insgesamt 800 unbewohnten tropischen Inseln und zählt sogar noch weniger Besucher als das kleine Himalaya-Königreich Bhutan. Auch heute noch findet hier der Nomadenstamm Moken seine Heimat, der auf seinen Fischerbooten wohnt und im Fluss der Jahreszeiten lebt. Der Tourismus entwickelt sich dort nur ganz langsam und ich wollte wissen, ob es dort schöne Flecken gibt, die den Besuchern einen gewissen Komfort bieten können. Inzwischen wurden ein paar wenige Resorts auf diesen Inseln eröffnet, darunter auch ein Eco Resort. Es ist einfach nur atemberaubend, wahre Postkarten-Schönheit – Ihr Karibik-Traum wird sich hier erfüllen! Bei Interesse fragen Sie Sarah Obels von NEUE WEGE nach diesem versteckten Ort bevor der Rest der Welt ihn findet!

 

In Europa ist die Küche Burmas nicht sehr bekannt. Was ist das Besondere dieser Küche und haben Sie ein Lieblingsgericht?
Wie auch die Menschen variiert das Essen in Burma. Die verschiedenen Regionen haben jeweils ihre eigenen Aromen. Die frischesten Tomaten kommen beispielsweise aus den schwimmenden Gärten auf dem Inle See. Die Bergbewohner bringen frische Bambussprossen und Farne mit ins Landesinnere. Aber bekannt sind wahrscheinlich unsere Curries. Zwischen Indien und Thailand gelegen gibt es viele ähnlich Gerichte, darunter auch die Curries. Sie sind nicht sehr scharf, jedoch recht ölig. Und das aus einem einfachen Grund. Früher gab es weder Strom noch einen Kühlschrank. Um also das Essen aufbewahren zu können, hat man die Curries in einem großen Pott mit einer Schicht Öl bedeckt. So wird es auf den Straßen auch heute noch gemacht.

Ein weiteres beliebtes Gericht ist der „Teeblatt-Salat“. Dieser wird aus fermentierten Teeblättern zubereitet und mit Erdnüssen, Sesam, Knoblauch, Tomaten und vielem mehr angerichtet. Schon beim Gedanken alleine bekomme ich wieder Hunger! Oft essen wir ihn als Snack und es ist normalerweise Teil von Geschäftstreffen. „Zuerst wird der Teeblatt-Salat unter den Teilnehmenden geteilt, dann kommt die Zeit fürs Geschäftliche“.

In Burma ist man für gewöhnlich nicht auf der Straße, wie man es aus Thailand kennt. Meistens ist es dafür nicht sauber genug. Daher gibt es überall viele kleine Restaurants, sogenannte „Teashops“. Hier beginnt der Tag am Morgen, nimmt seinen Lauf und endet am Abend wieder. Ganz nach dem Motto: „Nippe an einem süßen und starken Tee mit Milch, genieße einen Snack und natürlich den Teeblatt-Salat.“

 

Beim ersten Besuch in Burma, was sind die Orte, die man Ihrer Meinung nach gesehen haben muss?
Bei Ihrer ersten Burma-Reise werden Sie viel beschäftigt sein. Auf Ihrer Route sollten auf jeden Fall Yangon, Bagan, der Inle See, die Shan-Berge und Mandalay liegen. Ich hoffe, Sie bringen noch etwas mehr Zeit mit, denn dann können wir Ihnen das nicht touristische Burma zeigen. Da gibt es beispielsweise Pyin Oo Lin mit seiner berühmten stählernen Eisenbahn-Brücke, Hpa-an im Osten mit seiner spektakulären Karst-Landschaft und die Chin Region, in der man die Landschaft mit einfachen Trekkings erkunden kann. Natürlich gibt es auch wunderschöne Strände. Das sind nicht nur die abgelegenen Inseln in der Mergui Region, sondern auch Strände mit internationalen Einrichtungen. Der Strand Ngapali ist einer der besten und war sogar unter den Top 10 der besten Strände von CNN Travel in 2016. Der weiße Sand und die frischen Meeresfrüchte sind einfach hervorragend!

 

Gibt es eine Geschichte oder einen Moment in Burma, der Sie noch heute zum Lachen bringt?
Ich habe ja schon die eine oder andere Geschichte erzählt. Daher möchte ich gerne meine größte „Angst“ mit Ihnen teilen. Ich lebe in Yangon, einer sehr geschäftigen Stadt mit etwa 5 Millionen Einwohnern. Der Verkehr ist oft furchtbar, scheinbar ohne Regeln und man braucht unglaublich lange, um irgendwo anzukommen. Daher nehme ich jeden Tag das Fahrrad zur Arbeit – es macht Spaß, ist schneller und ein gutes Training. Jetzt denken Sie wahrscheinlich, dass ich am meisten Angst habe, von einem Bus überfahren zu werden. Das ist es nicht. Meine größte Angst ist es von der ausgespuckten roten Flüssigkeit der Betelnuss getroffen zu werden! Wenn Sie Burma googeln werden Sie auf den ersten Bildern Menschen sehen, die Betelnüsse kauen. Im Prinzip ist es ein Blatt, welches mit Stücken der Betelnuss und anderen Zutaten gefüllt und gerollt wird. Es ist ähnlich wie Kaffee und Zigaretten und hat eine leicht berauschende Wirkung. Die Feldarbeiter kauen die Nuss den ganzen Tag lang, und so auch Bus- und Taxi-Fahrer. Es hat den Effekt, dass viel Speichelflüssigkeit produziert wird, die so rot ist wie Blut und hin und wieder ausgespuckt wird. Und das kann überall passieren. Zum Beispiel einfach aus dem Busfenster heraus, genau dort, wo ich gerade mit dem Fahrrad entlang fahre…

 

Wenn man sich entscheidet, nach Burma zu reisen, was darf ich von der Reise erwarten und auf was muss ich mich einstellen?
Sie können auf jeden Fall eine fantastische Reise erwarten. Je mehr Zeit Sie mitbringen, desto mehr Facetten des Landes lernen Sie kennen und desto spektakulärer wird Ihr Besuch in Burma. Die Deutschen sind auf ihren Reisen sehr abenteuerlustig im Vergleich zu anderen Nationen, sie schlafen in lokalen Homestays und genießen die Natur in vollen Zügen. Ein großes Highlight ist auch in den Alltag der lokalen Bevölkerung einzutauchen. Hierfür sollte man versuchen sich dem Verhalten der Einheimischen anzupassen. Besonders für Frauen gilt, bedecken Sie Arme und Beine mit einer langen Hose oder einem langarmigen Shirt. Es hat auch den Vorteil, dass es einen vor der Sonne schützt. Bitte ziehen Sie immer Ihre Schuhe aus, wenn Sie eine Pagode oder ein Wohnhaus betreten. Auch in unserem Büro tragen wir keine Straßenschuhe. Es ist ratsam, etwas über den Buddhismus vorab zu wissen, da es die Hauptreligion Burmas ist. Das wird Ihnen auf jeden Fall helfen, die Leute besser zu verstehen. Das Wichtigste jedoch ist: Machen Sie sich keine Sorgen. Seien Sie bei Ihrem Besuch offen für Land und Leute und überlassen Sie alles andere Ihrem deutschsprachigen Reiseleiter. Bis bald in Burma!

 

Ein fröhliches Gesicht
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