29.05.2017Teilen

Weltreligion Buddhismus: Tibet

Vor dem Buddhismus indischer Prägung herrschte in Tibet die animistische Naturreligion des Bön vor. Bön und die tibetische Kultur und Lebensweise vermischten sich mit dem Buddhismus zu einem eigenständigen, tibetischen Buddhismus. Dies betrifft zum Beispiel bei der Ritualmusik den Gebrauch von bestimmten Instrumenten. Auch gibt es verschiedene Rituale und Rauchopfer für lokale Götter. Solche Rituale stammen hauptsächlich aus der Bön-Tradition. Die zentralen buddhistischen Lehren, die in Tibet weitergegeben und praktiziert werden, folgen jedoch der indischen Tradition.

Staatsreligion wurde der Buddhismus in Tibet im 8. Jahrhundert durch König Trisong Detsen. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich vier Hauptlinien des Buddhismus in Tibet etabliert: Nyingma, Sakya, Kagyü und Gelug. Oberhaupt des Gelug-Ordens ist der 14. Dalai Lama. Der Gelug-Orden steht in der Tradition des Mahayana-Buddhismus.

Lebendige Spiritualität im Himalaya
Das „Dach der Welt“, wie Tibet auch gern genannt wird, ist eines der außergewöhnlichsten Reiseländer. Türkisblaue Hochgebirgsseen, endlose Almen, Nomaden und ihre Yaks, kulinarische Besonderheiten wie zum Beispiel die leckeren Momos: gebratene oder in Suppe gekochte Teigtäschchen. In Tibet steht mit 8848 m nicht nur der berühmteste und höchste Berg der Welt, der Mount Everest. Tibet ist auch ein Zentrum des Buddhismus weltweit mit einer der faszinierendsten Klosterkulturen Asiens. Das Land begeistert seine Besucher durch die Ursprünglichkeit seiner Landschaft in durchschnittlich 4000 m Höhe und die Herzlichkeit seiner Menschen. Das „Schneeland“ auf dem Hochplateau, von Peking aus schnell mit dem Tibet-Express zu erreichen, hat circa 3,2 Millionen Einwohner. Davon leben 250.000 in der Hauptstadt Lhasa. Das heutige Oberhaupt der spirituellen, tibetischen Gemeinschaft – und von einigen auch als weltliches Oberhaupt angesehen – ist der 14. Dalai Lama. Er wurde in Tagtser geboren, einem Ort unweit des Klosters Kumbum. Heute lebt er im indischen Exil. Tibet gilt als autonome Verwaltungseinheit innerhalb der Volksrepublik China.

„Om Mani Padme Hum!“
Das Mantra ist eine Lobeshymne auf Mitgefühl und auf Avalokiteshvar, den Schutzpatron Tibets. Es ist das älteste und populärste Mantra im tibetischen Kulturraum. Tibet hat einen großen Reichtum an Klöstern, in denen der Buddhismus aktiv gelebt wird, zum Beispiel die Klöster Sera, Samye und Tashilhunpo in Shigatse. Das 1490 gegründete Sera gilt als Zentrum für buddhistische Philosophie und Logik. Samye ist das älteste Kloster Tibets, gelegen auf der Nordseite des Yarlung-Tsangpo. Das Besondere an Samye ist seine geometrische Anordnung, in dem das buddhistische Universum dargestellt werden soll.

Die Tibeter sind ein feierfreudiges Volk. Neben dem Geburtstag des Buddha (Saga Dawa Fest), das in allen Klöstern mit großen Zeremonien abgehalten wird, gilt als wichtigstes Fest des tibetischen Buddhismus das Losar-Fest. Zeitgleich mit dem Frühlingsanfang wird an drei Tagen im Februar gefeiert. Einen besonders guten Einblick in die bunten Zeremonien auf den Straßen und in den Tempeln erhält man in der tibetischen Gemeinde im nepalesischen Kathmandu.