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Höhenanpassung

Was ist Höhenanpassung?

Unter der Höhenkrankheit (Bergkrankheit) versteht man alle Folgen, Symptome und Beschwerden, die aufgrund des geringen Luftdrucks bzw. Sauerstoffpartialdrucks in größeren Höhen zustande kommen. Die Höhenkrankheit tritt in der Regel ab einer Höhe von etwa 3000 Metern auf, in manchen Fällen jedoch auch vorher.

Ursachen
Höhenanpassung
Höhenkrankheit
Therapie
Vorbeugung

Ursachen

Die Höhenkrankheit wird durch ein verringertes Sauerstoffangebot ausgelöst, da Luftdruck und Sauerstoffpartialdruck mit der Höhe abnehmen. Begünstigende Faktoren für die Entstehung sind übertrieben schnelle Anstiege, Überanstrengung, Alkoholkonsum, Flüssigkeitsmangel oder Infekte.
Der Partialdruck des Sauerstoffs in der umgebenden Luft und somit in der Luft der Lunge spielt für die Entstehung und Therapie der Höhenkrankheit die entscheidende Rolle. So sinkt der Sauerstoffpartialdruck in einer Höhe von rund 5000 Metern bereits um die Hälfte. Letztendlich ist für alle Symptome und Beschwerden der Höhenkrankheit der zu geringe Sauerstoffpartialdruck in der atmosphärischen Luft und damit in den Lungenbläschen (Alveolen) verantwortlich.

Höhenanpassung

Anpassung des Organismus

Je höher eine Person gelangt, desto eher reagiert sie aufgrund des Sauerstoffmangels mit für die Höhenkrankheit (Bergkrankheit) typischen Symptomen.
 

Zonen der Anpassung

Unterhalb 1500 Metern gibt es normalerweise keinerlei Gesundheitsbeeinträchtigungen, darüber können jedoch bei bestimmten Erkrankungen die ersten Probleme auftreten. Eine mittlere Höhe von 2000 bis 2500 Metern ist auch der Bereich, in dem Ausdauersportler ihr Höhentraining absolvieren. Zwischen 3000 Metern und etwa 5500 Metern - also im Hauptbereich von Trekkingtouren - kann sich ein gesunder Mensch nach einer entsprechenden Adaptationszeit vollständig den Verhältnissen anpassen und nahezu normal leistungsfähig sein.

Oberhalb von 5500 Metern ist eine vollständige Anpassung an die Höhe bzw. den Sauerstoffmangel nicht mehr möglich, stattdessen kommt es zu einem kontinuierlichen Abbau der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Sie sollte daher nur kurzfristig im Rahmen einer Besteigung oder Passüberquerung überschritten werden. Diese Höhenmarke ist deshalb auch die oberste Grenze einer menschlichen Dauerbesiedelung und gleichzeitig die höchste noch sinnvolle Basislagerhöhe für Expeditionsbergsteiger.

Zeitreserve

Der menschliche Organismus besitzt eine erstaunliche Fähigkeit, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. So steigt die Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), also der den Sauerstoff transportierenden Blutteilchen, in einer Höhe von 4500 Metern bereits nach zwei Tagen um etwa zehn Prozent an. Nach ca. zehn Tagen Aufenthalt ist die "Schnelle Anpassungsphase" für die Steigung der Erythrozytenzahl bereits abgeschlossen.

Die erhöhte Erythrozytenzahl ist erforderlich, da das Blut zum Beispiel in 5000 Metern Höhe nur noch zu 75 Prozent mit Sauerstoff gesättigt wird, wobei die Sättigung in Meereshöhe rund 100 Prozent beträgt. Danach erfolgt ein langsamer, über Monate dauernder Prozess, bis ein Hämatokrit von ca. 70 Prozent erreicht ist.

Durch die reaktive Vermehrung der roten Blutkörperchen in der Höhe und durch die vermehrten Flüssigkeitsverluste bei der verstärkten Atmung kann es zu einer Eindickung und Verlangsamung des Blutes und daher zu Lebensgefahr durch Bildung von Blutgerinnseln kommen, wenn nicht genügend Flüssigkeitsmengen zugeführt werden. Diese Bluteindickung bewirkt auch eine Mehrbelastung für Herz und Kreislauf sowie eine schlechtere Durchblutung der Extremitäten mit erhöhter Erfrierungsgefahr.

Probleme bei der Höhenanpassung

Höhenbeschwerden werden hervorgerufen durch die Doppelbelastung von körperlicher Tätigkeit mit mehr Sauerstoffbedarf und großer Höhe mit weniger Sauerstoffangebot. Sie treten in der Adaptationsphase während der ersten Tage fast bei jedem Bergwanderer auf. Dazu zählen leichte Kopfschmerzen, Schlaf- und Appetitstörungen sowie Atemlosigkeit bei Belastungen, die jedoch alle normalerweise nach wenigen Tagen verschwinden. Die Dauer der Höhenadaptation ist individuell verschieden und abhängig von der Aufstiegsgeschwindigkeit, der absoluten Höhe, dem überwundenen Höhenunterschied und eventuellen Erkrankungen des einzelnen wie Atemwegsinfekte oder Durchfall.

Die Probleme sind natürlich umso geringer, je länger die Akklimatisationszeit ist. Bei älteren Personen scheint sich auch ein guter Trainingszustand positiv auszuwirken. Ansonsten ist eine gute Kondition kein Schutz vor Höhenproblemen, sondern verleitet gerade Jüngere und Höhenunerfahrene dazu, zu schnell aufzusteigen. Migränepatienten leiden häufiger und stärker unter der akuten Höhenkrankheit. Zusammenhänge mit der Größe der Gruppe, dem Rucksackgewicht, Rauch- oder Ernährungsgewohnheiten oder der Einnahme der Antibaby-Pille bestehen nach heutigen Erkenntnissen nicht. Besonders Jüngere unter 20 Jahren und Ältere über 50 Jahren scheinen Höhenprobleme zu bekommen, während im Alter zwischen 40 und 50 Jahren die geringsten Schwierigkeiten auftreten. Besonders wichtig sind frühere höhenbedingte Störungen als Hinweis auf eine erneute Gefährdung.

In der Höhe haben Bergwanderer nachts oft eine unregelmäßige Atmung mit längeren Pausen. Weiterhin treten gelegentlich Weichteil-Ödeme, d.h. Schwellungen durch Wasseransammlungen im Gewebe auf, meist im Augen- oder Gesichtsbereich oder an Händen bzw. Füßen. Auch kann es über 5000 Metern zu kleinen Netzhautblutungen des Auges kommen. Falls keine weiteren Höhensymptome bestehen, bilden sich diese Veränderungen in allen drei Fällen normalerweise von alleine zurück. In Verbindung mit anderen Beschwerden können sie jedoch auch ein erster Warnhinweis für eine Höhenerkrankung sein.

Höhenkrankheit

Häufigkeit der akuten Höhenkrankheit

Die ersten Anzeichen einer Höhenkrankheit treten bei schnellem Aufstieg in Höhen über 3000 Metern bei mehr als 75% aller Menschen auf.

Symptome

Ab einer Höhe von etwa 3000 Metern – bei einigen Personen auch schon vorher - können die ersten milden Symptome der Höhenkrankheit (Bergkrankheit, AMS = Acute Mountain Sickness) auftreten. Ein weiterer Anstieg in noch höhere Lagen verstärkt die Beschwerden zunehmend.

Frühzeichen: (abwarten möglich)

Zu den milden Symptomen einer Höhenkrankheit zählen zum Beispiel:

  • Kopfschmerzen
  • Reizbarkeit, zunehmende Kritiklosigkeit
  • vernunftwidriges Verhalten
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Wasserödeme unter der Haut
  • beschleunigter Herzschlag
  • allgemeines Unwohlsein
  • unruhiger Schlaf
  • Leistungsabfall
Warnsymptome: Behandlung notwendig

Im weiteren Verlauf der Erkrankung treten zusätzliche Beschwerden auf wie:

  • konstante, schwere Kopfschmerzen
  • rapider Leistungsabfall (nichts geht mehr)
  • schwere Übelkeit und Erbrechen
  • Bewusstseinsstörungen
  • völlige Antriebslosigkeit
  • Atemnot und Herzrasen, auch in Ruhe
  • nächtliche Schlaflosigkeit
  • trockener, teilweise starker Husten
  • Schwindelgefühle mit Gangunsicherheit, Benommenheit, Gleichgewichtsstörungen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Schlaflosigkeit
  • dunkler Urin mit einer Ausscheidung von weniger als 500 Milliliter pro Tag

Werden die Symptome der Höhenkrankheit ignoriert, können die Folgen lebensbedrohlich sein. Die Beschwerden verstärken sich immer weiter, wenn der Betroffene die Höhe nicht verlässt und entsprechend behandelt wird. Hirnödeme / Hirnschwellungen (HACE = High Altitude Derebral Edema) oder Lungenödeme / Wasser in der Lunge (HAPE = High Altitude Pulmonary Edema) können die Folgen sein. Wasser lagert sich in Lunge und / oder Hirn ein und führt zu einer lebensbedrohlichen Situation.

Therapie

Therapie

Bei ersten Frühzeichen der Höhenkrankheit (Bergkrankheit) wie Unwohlsein, leichter Kopfschmerzen und Übelkeit sollte der Betroffene den Aufstieg abbrechen und eine Rast einlegen oder zum nächsten Rastplatz absteigen. Oft helfen gesüßte Getränke. Wenn die Beschwerden nach einer Nacht Pause abgeklungen sind, kann der Aufstieg eventuell sehr langsam fortgesetzt werden. Andernfalls ist ein zügiger Abstieg um ca. 500 Meter zu empfehlen. Auf keinen Fall soll der Betroffene versuchen, erste Warnzeichen zu ignorieren oder mithilfe von Medikamenten zu behandeln, um den Aufstieg fortzusetzen.

Ist die Erkrankung bereits fortgeschritten, so dass Beschwerden wie schwere Kopfschmerzen, starker Leistungsabfall, Erbrechen oder Herzrasen auftreten, kann nur der sofortige Abstieg – auch nachts – Abhilfe schaffen. Keinesfalls sollte der Betroffene länger als nötig in der Höhe ausharren.
Treten Alarmsymptome wie Bewusstlosigkeit, Verwirrung, starker Husten, Bewegungsstörungen oder rasselnde Atmung auf, besteht akute Lebensgefahr. In diesem Fall muss die Person so rasch wie möglich aus der Höhe transportiert werden. Ist ein Transport durch Träger nicht möglich, zum Beispiel aufgrund der Wetterlage, muss fremde Hilfe alarmiert werden.
 

Medikamente

Verschiedene Medikamente werden je nach Dauer und Schwere der Symptome empfohlen. Empfehlungen und Dosierungsanweisungen möchten und dürfen wir an dieser Stelle nicht geben und verweisen hierfür z.B. auf die unten aufgeführten Links.
 

Generell gilt:

Ein Abstieg ist empfehlenswerter als Medikamente einzunehmen. Am besten dem Körper Zeit lassen und an die richtige AKKLIMATISATION denken!

Vorbeugung

Vorbeugen - Akklimatisation

Der Höhenkrankheit (Bergkrankheit) kann insbesondere durch eine langsame Höhenanpassung vorgebeugt werden. Es gilt: Je eiliger es eine Person mit dem Aufstieg hat, desto größer ist ihr Risiko, die Höhenkrankheit zu bekommen. Die vorbeugende Einnahme von Medikamenten ist umstritten. Die Höhenkrankheit tritt völlig unabhängig vom Alter und dem sportlichen Trainingszustand auf.

Die beste Vorbeugemaßnahme ist eine gute Akklimatisation.

Folgende Grundregeln sollen in größeren Höhen unbedingt eingehalten werden, um die Höhenkrankheit zu verhindern:
 

„Climb high - sleep low“
  • nicht zu schnell zu hochsteigen (300 bis maximal 500 Höhenmeter pro Tag)
  • Anstrengungen während der Anpassungsphase vermeiden
  • möglichst tiefe Schlafhöhe
  • täglicher Schlafhöhengewinn 300 bis 500 Meter
  • alle 1000 Meter ein zusätzlicher Ruhetag
„Don’t go too high too fast“
  • möglichst keine Aufstiegshilfen benutzen
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr - vier bis sechs Liter pro Tag (Reduktion Thromboserisiko, Erfrierung)
  • keinen Alkohol trinken
  • kohlenhydrathaltige Nahrung einnehmen, da diese weniger Sauerstoff verbraucht als Fette und Eiweiße
  • warme Kleidung anziehen
„Don’t go up until symptoms go down“
  • Achte auf Frühzeichen der akuten Höhenkrankheit
  • Infektionen und andere Erkrankungen vorher auskurieren
  • keine Medikamente einnehmen, auch keine Schlafmittel
Zeichen erfolgter Akklimatisation
  • trainingsgemäße Ausdauerleistung
  • Ruhepuls wieder auf Vorwert gesunken
  • vertiefte Atmung in Ruhe und Belastung
  • nächtliche periodische Atmung
  • ausreichende Höhendiurese
Die fünf goldenen Regeln der Akklimatisation
  • Jeder kann höhenkrank werden, aber niemand muss daran sterben.
  • Jede Gesundheitsstörung ist im Zweifel höhenbedingt.
  • nur symptomfrei höher steigen
  • bei Verschlechterung sofortiger Abstieg
  • Höhenkranke niemals alleine lassen