17.10.2015

Kursleiterin Maya Fassmann im Interview: Yoga kann Jeder


NEUE WEGE Kursleiterin Maya Fassmann spricht in einem Interview mit einer Rügener Zeitung über Yoga und was es so wertvoll und zugänglich für viele Menschen macht.

„Jeder kann Yoga machen!“

Im Vorfeld sprachen wir mit Dr. Maya Fassmann, die seit mehr als drei Jahrzehnten als Yogalehrerin tätig ist.

Warum ist Yoga gut?
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass durch eine regelmäßige Yogapraxis die Übenden auf der körperlichen und auf der geistig-mentalen Ebene profitieren. Yoga lindert oder beseitigt Rückenschmerzen, Migräne und Bluthochdruck. Das ganze Herz-Kreislauf-System wird positiv beeinflusst. Auch bei Depression, Burnout und Stress bietet Yoga wertvolle Hilfen. Die Menschen werden zufriedener, gelassener. Das Ziel des Yoga ist laut der alten vedischen Schriften "Ananda", das heißt, glücklich zu sein. Nach einer Yogastunde fühlen sich die Übenden glücklich und zufrieden.

Kann jeder Yoga machen?
Ja. Und das ist auch das Reizvolle für mich als Lehrerin, dass ich für jeden - egal welche Handicaps vorhanden sind - einen Wege finde, um ihm die Schönheiten und die Möglichkeiten des Yoga zu vermitteln. Ich hatte schon Übende, die saßen mit einer hohen Querschnittslähmung im Rollstuhl und haben Yoga mit geübt. Das ist möglich, weil man Übungen voll ausführen, andeuten oder auch nur imaginieren kann. Solange ein Mensch geistig ansprechbar ist, kann er Yoga machen.

Wie läuft eine Yoga-Einheit in Ihrer Schule ab?
Eine Einheit dauert anderthalb Stunden. Sie beginnt mit einer Entspannungsphase im Liegen. Nach einleitenden Mantras - das sind altindische Worte - folgen die Pranayamas, die Atemübungen. Dem schließt sich eine wöchentlich wechselnde Reihe von Körperhaltungen, den so genannten Asanas, an. Zum Ende stehen Augenübungen, eine kleine Meditation und schließlich die Schlussentspannung auf dem Programm.

Sie bieten in Bergen zwölf Yogazeiten pro Woche an. Welche Kurse geben Sie darüber hinaus?
Ein weiterer Schwerpunkt sind die Yoga-Fasten-Wanderkurse. Die Kombination von Yoga, Fasten und Wandern ist einfach genial. Die Teilnehmer gewinnen unglaublich viel neue Lebensfreude und Energie. Die wöchentlichen Ferienkurse finden im Bayerischen Wald, im Teutoburger Wald und an mehreren Standorten auf Rügen statt.

Wird es für Sie nicht langweilig, jeden Tag aufs Neue Yoga zu unterrichten?
Das war noch nie der Fall. Yoga ist ein Achtsamkeitstraining. Die Stunden des Unterrichtens sind für mich die Phasen, in denen ich meine höchste Konzentration erreiche. Darüber hinaus begegne ich stets neuen, interessanten Menschen. Ich lerne von ihnen und entwickle mich so auf meinem Yogaweg weiter. Dass ich zum Beispiel Veganerin geworden bin, liegt daran, dass ich eine vegan lebende Yogaschülerin kennenlernte, die mir das Buch von Karen Duve „Anständig essen“ empfahl. Nach dessen Lektüre bin ich Schritt für Schritt von der vegetarischen zur veganen Ernährung übergegangen.

Gibt es Schüler, die sich nach dem Unterricht bei Ihnen entschlossen haben, selbst Yoga zu lehren?
Sieben Yogaschülerinnen haben bei mir eine zweijährige Yogalehrer-Ausbildung mit über 700 Unterrichtseinheiten, zwei Intensivwochen in Bad Meinberg, einer praktischen Prüfung und einer vierstündigen schriftlichen Prüfung absolviert. Damit hat sich für mich ein Berufsziel erfüllt: Ich wollte einmal im Leben hochinteressierten Menschen mein Wissen aus über 30 Jahren Yogapraxis weitergeben.

Wie sind Sie eigentlich zum Yoga gekommen?
Freunde aus meiner Jugendclique berichteten, dass sie etwas "ganz Tolles und Außergewöhnliches" entdeckt hätten, nämlich eine Yogaschule. Das war 1977 in Stuttgart. Ich habe das sofort ausprobiert und wusste schon bei der ersten Yogastunde, dass ich das gefunden habe, wonach ich gesucht hatte. Heute praktizieren etwa vier Millionen Menschen in Deutschland Yoga. Dieses altindische Übungssystem hat Eingang gefunden in Kindergärten, Schulen, in den Universitäts- und Betriebssport und selbst die Fußballnationalmannschaft übt unter Anleitung eines erfahrenen Yogalehrers.

Und wie entstand der Entschluss, als Yoga-Lehrerin zu arbeiten?
Nach zehn Jahren des intensiven Übens wurde in der Stuttgarter Yogaschule eine Yogalehrer-Ausbildung über zwei Jahre angeboten, die ich aus Interesse absolvierte, ohne dabei gleich an eine berufliche "Verwertung" zu denken. Doch schon bald gab ich meinen "richtigen" Beruf als Historikerin auf, um mich 1993 in Tübingen als Yogalehrerin selbständig zu machen. Damit hatte ich zu meiner eigentlichen "Berufung" gefunden. Anschließend absolvierte ich noch zwei weitere Yogalehrer-Ausbildungen mit verschiedenen Inhalten, eine davon nach dem Umzug nach Rügen.

Warum Rügen?
In mir schlummerte schon immer die Sehnsucht, am Meer zu leben. Vor  sieben Jahren machte ich mit meinem Mann Urlaub auf Rügen. Bei einer Wanderung in den Zickerschen Bergen entdeckte ich die unglaubliche Schönheit der Insel und so reifte der Entschluss, die Yogaschule in Tübingen an einen Nachfolger abzugeben und ganz nach Rügen umzuziehen. Das habe ich nie bereut.

Gibt es - bezogen auf Yoga - einen Wunsch, den Sie sich gern erfüllen würden?
Ja. Ich würde gern den Ashram, eine Art Kloster, von Swami Sivananda in Rishikesh in Indien besuchen und dort einige Zeit leben. Das ist einer der bedeutendsten Ausgangspunkte der weltweiten Verbreitung von Yoga. Aktuell leben dort etwa 200 Mönche. In dieser hohen spirituellen Atmosphäre des Sivananda-Ashrams am Ganges, dem heiligen Fluss Indiens, einige Zeit Yoga zu praktizieren, das wäre wunderbar!

(Weitere Informationen unter www.yogaschule-ruegen.de)

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