26.04.2019Teilen

Nachhaltige Yogamatten kaufen Teil II

Im ersten Teil über nachhaltige Yogamatten von Jürgen Laske ging es um die verschiedenen Materialien und die Herstellung. Dies sind natürlich wichtige Kriterien für die Auswahl der richtigen Yogamatte. Doch auch die Praxistauglichkeit ist für den Kauf entscheidend.

Welche nachhaltigen Yogamatten sind empfehlenswert?

Viele Kunden fragen uns, welche nachhaltigen Yogamatten empfehlenswert sind. Bevor wir diese Frage beantworten, schauen wir uns erstmal die Formel von Nachhaltigkeit an:

Nachhaltigkeit =
ressourcenschonende Fertigung + soziale Verantwortung + Langlebigkeit + umweltfreundliche Entsorgung

Natürlich kann man sich nun die Mühe machen und die einzelnen Teilaspekte aus dem Life-Cycle der verschiedenen Yoga-Matten zu bewerten versuchen. Dies ist aber wegen häufig fehlender quantitativen und qualitativen genauer Daten sehr schwer. Trotzdem haben wir von der Bausinger Yogamanufaktur im Zuge unserer GWÖ-Bilanzierung (Gemeinwohl Ökonomie – ganzheitliche Nachhaltigkeit) einen internen Einkaufsleitfaden und den sogenannten BNI-Rechner (Bausinger Nachhaltigkeits Index) geschaffen und können nun die einzelnen Yogaprodukte auf ihren Einfluss auf Umwelt sowie Gesellschaft einschätzen. Unser BNI-Rechner betrachtet dabei insgesamt 38 Teilaspekte aus den Bereichen Umwelt und Ökologie, soziale Fairness und Nachhaltigkeit sowie die möglichst regionale Fertigung.

Yogamanufaktur Bausinger Jürgen Laske Yoga im Grünen

Die Ergebnisse sind interessant: für die Umwelt ist die Unterscheidung, ob überwiegend Kunststoff- oder Naturmaterial-Matte, gar nicht mal so ausschlaggebend. Viel wichtiger sind Produktionsland und die insgesamt notwendigen Transportaufwendungen. Wenn schadstoffgeprüfte TPE-Matten aus China per Schweröl-Dampfer nach Europa geschippert werden, verhagelt es eben die Öko-Bilanz. Noch mehr ist dies der Fall, wenn sie per Luftfracht eingeflogen werden – zumal die wenigsten Importeure eine mögliche und kostenpflichtige CO2-Kompensation machen. Ebenfalls spielt die Lebensdauer und eine mögliche Zweitnutzung eine große Rolle über die Gesamt-Nachhaltigkeitsbilanz.

Nachhaltige Yogamatten aus Deutschland

Von daher unsere Einschätzung: in Deutschland hergestellte PVC-Yogamatten sind gar nicht mal so schlecht. Dies gilt vor allem, wenn man sie viele Jahre gut nutzen und dann z.B. als Rutschmatte für das Auto oder Knieschoner für die Gartenarbeit weiternutzen kann. Naturkautschukmatten schneiden, trotz gut gepflegtem Öko-Image, erstaunlicherweise recht schlecht ab, vor allem wegen der kurzen Lebensdauer und den notwendigen Kunststoffbeigaben. Schurwollmatten sind per se sehr haltbar, hier ist aber auch eine möglichst verschleißfeste und rutschfeste Kunststoff-Unterseite entscheidend für eine lange Lebensdauer. Man kann es drehen und wenden wie man will – ohne Ressourcenverbrauch (Rohstoffe, Energieeinsatz zur Verarbeitung, menschliche Arbeitsleistung, Transportaufwendungen, Maschineneinsatz, Färben, Beschichten, Verpacken, etc.) und dafür notwendige Beeinträchtigung der Umwelt (Rohstoffgewinnung, Rohstoffverarbeitung, Transport, Energiegewinnung, Abgase, Abwasser, Müllentstehung, etc.) gibt es keine praxistaugliche Yogamatte. Vor allem die ganzen Verarbeitungsschritte summieren sich auf. So wird beispielsweise für die Herstellung eines T-Shirts aus Holz- oder Bambusfaser rund 5 mal so viel Energie, Wasser und Chemie verwendet, als wie wenn man es direkt aus erdölbasierten Kunststoffen spinnen und weben würde.

Welche nachhaltige Yoga-Matte kaufen?

Darum unser Rat: Jeder Yogamatten-Käufer sollte sich zuallererst fragen, ob die gewählte Yogamatte seinen ganz praktischen Anforderungen entspricht. Dann sollte man die folgenden Punkte vor dem Kauf einer nachhaltigen Yogamatte beachten:

  • Herkunftsland
  • Materialzusammensetzung
  • Mögliche Lebensdauer
  • Schadstoff-, Umwelt- und Nachhaltigkeits-Zertifikate
  • Nach dem Kauf sollten Sie die nachhaltige Yoga-Matte der Wahl so lange wie möglich nutzen.

Generell sollten Käufer sich nicht so sehr vom Image einer Marke bzw. dem Marketing-Greenwashing blenden lassen, sondern aktiv kritische Dinge hinterfragen und die Hersteller und Händler aus der Reserve locken. Ich selber stehe da gerne für Frage und Antwort zur Verfügung, denn Transparenz und offene ehrliche Kommunikation ist dabei die schärfste Waffe der Nachhaltigkeit.

Noch ein Wort der Relativierung: einen viel größeren Einfluss auf die Umwelt und die Nachhaltigkeitsbilanz des Einzelkonsumenten haben beispielsweise Unterhaltungselektronik, Individualverkehr, Wegwerf- statt Reparier-Mentalität, fragwürdiges Online-Shopping-Verhalten für Bekleidung usw. Von daher sollte man immer mit gesundem Augenmaß durchs (Konsum-)Leben gehen.

Viel Spaß und Freude beim Yoga sowie einen guten Schritt vorwärts auf dem Weg der Achtsamkeit und Nachhaltigkeit wünscht

Jürgen Laske
Geschäftsführer der Bausinger Yogamanufaktur

Dieser Beitrag wurde geschrieben von:

Jürgen Laske