Gut ausgestattet sein fürs Yoga üben
26.04.2019 Jürgen Laske

Nachhaltige Yogamatten kaufen Teil II


Jürgen Laske ist Yogalehrer und Geschäftsführer der Yogamanufaktur Bausinger
Hohe Bäume in einem Wald wo die Sonne durchscheint valio84sl - iStock
Bunte Yogamatten für die modernen Yoginis und Yogis Pixabay-Pixelcreator
Jürgen Laske beim Yoga im Grünen

Im ersten Teil über nachhaltige Yogamatten von Jürgen Laske ging es um die verschiedenen Materialien und die Herstellung. Dies sind natürlich wichtige Kriterien für die Auswahl der richtigen Yogamatte. Doch auch die Praxistauglichkeit ist für den Kauf entscheidend.

Welche nachhaltigen Yogamatten sind empfehlenswert?

Viele Kunden fragen uns, welche nachhaltigen Yogamatten empfehlenswert sind. Bevor wir diese Frage beantworten, schauen wir uns erstmal die Formel von Nachhaltigkeit an:

Nachhaltigkeit = ressourcenschonende Fertigung + soziale Verantwortung + Langlebigkeit + umweltfreundliche Entsorgung

Natürlich kann man sich nun die Mühe machen und die einzelnen Teilaspekte aus dem Life-Cycle der verschiedenen Yoga-Matten zu bewerten versuchen. Dies ist aber wegen häufig fehlender quantitativen und qualitativen genauer Daten sehr schwer. Trotzdem haben wir von der Bausinger Yogamanufaktur im Zuge unserer Gemeinwohl-Bilanz einen internen Einkaufsleitfaden und einen eigenen Bewertungsrechner entwickelt. Damit schätzen wir unsere Yogaprodukte anhand von 38 Teilaspekten aus den Bereichen Umwelt, soziale Fairness und regionale Fertigung ein.

Unsere Auswertung hat uns selbst überrascht: Für die Umwelt ist die Frage, ob eine Matte überwiegend aus Kunststoff oder aus Naturmaterial besteht, nach unserer Einschätzung gar nicht so ausschlaggebend. Viel stärker ins Gewicht fallen das Produktionsland und die Transportwege. Wenn schadstoffgeprüfte TPE-Matten aus China per Schweröl-Dampfer nach Europa geschippert werden, verhagelt es eben die Öko-Bilanz. Noch mehr ist dies der Fall, wenn sie per Luftfracht eingeflogen werden. Ebenfalls spielt die Lebensdauer und eine mögliche Zweitnutzung eine große Rolle über die Gesamt-Nachhaltigkeitsbilanz.

Nachhaltige Yogamatten - Produktion & Transport

Von daher unsere Einschätzung: in Deutschland hergestellte PVC-Yogamatten sind gar nicht mal so schlecht. Dies gilt vor allem, wenn man sie viele Jahre gut nutzen und dann z.B. als Rutschmatte für das Auto oder Knieschoner für die Gartenarbeit weiternutzen kann. Naturkautschukmatten schneiden, trotz gut gepflegtem Öko-Image, erstaunlicherweise recht schlecht ab, vor allem wegen der kurzen Lebensdauer und den notwendigen Kunststoffbeigaben. Schurwollmatten sind per se sehr haltbar, hier ist aber auch eine möglichst verschleißfeste und rutschfeste Kunststoff-Unterseite entscheidend für eine lange Lebensdauer. Man kann es drehen und wenden wie man will – ohne Ressourcenverbrauch (Rohstoffe, Energieeinsatz zur Verarbeitung, menschliche Arbeitsleistung, Transportaufwendungen, Maschineneinsatz, Färben, Beschichten, Verpacken, etc.) und dafür notwendige Beeinträchtigung der Umwelt (Rohstoffgewinnung, Rohstoffverarbeitung, Transport, Energiegewinnung, Abgase, Abwasser, Müllentstehung, etc.) gibt es keine praxistaugliche Yogamatte. Vor allem die ganzen Verarbeitungsschritte summieren sich auf. So durchlaufen beispielsweise Textilfasern aus Holz oder Bambus viele chemische Verarbeitungsschritte, bevor daraus ein T-Shirt wird – und jeder dieser Schritte braucht Energie, Wasser und Chemikalien.

Welche nachhaltige Yoga-Matte ist empfehlenswert?

Darum unser Rat: Jeder Yogamatten-Käufer sollte sich zuallererst fragen, ob die gewählte Yogamatte seinen ganz praktischen Anforderungen entspricht. Dann sollte man die folgenden Punkte vor dem Kauf einer nachhaltigen Yogamatte beachten:

  • Herkunftsland
  • Materialzusammensetzung
  • Mögliche Lebensdauer
  • Schadstoff-, Umwelt- und Nachhaltigkeits-Zertifikate
  • Nach dem Kauf sollten Sie die nachhaltige Yoga-Matte der Wahl so lange wie möglich nutzen.

Generell sollten Käufer sich nicht so sehr vom Image einer Marke bzw. dem Marketing-Greenwashing blenden lassen, sondern aktiv kritische Dinge hinterfragen und die Hersteller und Händler aus der Reserve locken. Ich selber stehe da gerne für Frage und Antwort zur Verfügung, denn Transparenz und offene ehrliche Kommunikation ist dabei die schärfste Waffe der Nachhaltigkeit.

Noch ein Wort der Relativierung: einen viel größeren Einfluss auf die Umwelt und die Nachhaltigkeitsbilanz des Einzelkonsumenten haben beispielsweise Unterhaltungselektronik, Individualverkehr, Wegwerf- statt Reparier-Mentalität, fragwürdiges Online-Shopping-Verhalten für Bekleidung usw. Von daher sollte man immer mit gesundem Augenmaß durchs (Konsum-)Leben gehen.

Viel Spaß und Freude beim Yoga sowie einen guten Schritt vorwärts auf dem Weg der Achtsamkeit und Nachhaltigkeit wünscht

Jürgen Laske
Geschäftsführer der Bausinger Yogamanufaktur

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