„Bewegung ist der Gesang des Körpers"
Adelheid Ohlig über Luna-Yoga, Weiblichkeit und Frauengesundheit
Adelheid Ohlig ist Journalistin, Yogalehrerin und Begründerin des Luna-Yoga®. Seit den frühen 1980er Jahren entwickelt sie diesen Stil weiter, geprägt von Reisen zu indigenen Völkern, von Ayurveda, Akupunktur, schamanischen Ritualen und Bewegungskünsten aus Afrika, Australien, Asien und Amerika. Seit vielen Jahren ist sie Teil unseres NEUE WEGE Teams.
Im Interview spricht sie über ihren Weg, die Besonderheiten von Luna-Yoga, Weiblichkeit und was Frauengesundheit für sie bedeutet.
Adelheid, du hast Luna-Yoga Anfang der 1980er Jahre gegründet. Was war der Ausgangspunkt?
Als Journalistin habe ich viele Länder bereist und mich überall für Gesundheitsmethoden interessiert, wie Ayurveda, Akupunktur, schamanische Rituale, Bewegungskünste aus Afrika, Australien und Amerika. Parallel dazu habe ich Yogalehrausbildungen in Indien, Japan, Kanada und Deutschland gemacht. Was mich dort störte: Alle Übungen sollten für alle passen. Das überzeugte mich nicht. Also habe ich selbst geforscht, ausprobiert, geschaut, was mir guttut. Das Ergebnis ist heute anerkannt: Verschiedene Menschen brauchen verschiedene Übungen. Mein Hintergrund aus dem politischen Journalismus und der Frauenbewegung steckt da drin.
Was unterscheidet Luna-Yoga von anderen Yoga-Stilen?
Ich beschreibe Luna-Yoga als Körperkunst und Heilweise. Der Stil zählt zum Hatha-Yoga, geht aber eigene Wege: Wir beziehen das Becken als Ursprung des Lebens in alle Übungen ein, arbeiten mit Tänzen, mit Zyklen, mit dem, was der Körper heute braucht. Luna-Yoga ähnelt einem Baum: Die Wurzeln liegen im Yoga, den Stamm bilden die Fruchtbarkeitstänze von Aviva Steiner, die Äste wuchsen durch körpertherapeutische Weiterbildungen. Neue Forschungen zur Gesundheit kommen als Zweige dazu und die Früchte tragen die Teilnehmenden als Wohlbefinden und neue Lebenslust nach Hause.
Weibliche Körper folgen Zyklen und Rhythmen. Wie geht Luna-Yoga damit um?
Frauen erleben durch den Menstruationszyklus Lebensrhythmen sehr direkt, aber auch Männer kennen wechselnde Befindlichkeiten und Stimmungen. Das Wort Laune kommt von luna, dem Mond: Er zeigt uns allen, dass Wandel zum Leben gehört.
Luna-Yoga macht diese Rhythmen bewusst und nutzbar. Gezielte Übungen können den Menstruationszyklus regulieren, die Sexualorgane in Balance bringen und durch die Wechseljahre begleiten. Rezepte gibt es dabei keine. Was einer Frau hilft, trifft für eine andere nicht zu. Was heute wohltuend ist, kann morgen schon anders sein. Das eigene Körpergefühl zu schärfen ist die eigentliche Aufgabe.
Was bedeutet das konkret für Frauengesundheit?
Erst mal: einfach anfangen. Bei Beschwerden empfehle ich zunächst sehr einfache Übungen. Entscheidend ist, dass sich die Bewegung gut anfühlt. Was als unangenehm empfunden wird, wirkt nicht. Bewegung ist der Gesang des Körpers. Frauengesundheit entsteht nicht durch Kampf gegen den Körper, sondern durch Kontakt mit ihm.
Was wünschst du dir für Frauen, die heute anfangen, auf sich zu achten?
Freundlich mit sich selbst zu sein. Das klingt simpel, ist aber der Kern: Wer freundlich mit sich ist, nimmt seinen Körper besser wahr. Der eigene Körper wird zum Freund statt zum Gegner. Ich bilde mich seit über 40 Jahren weiter und lasse mich von neuen Erkenntnissen überraschen. Dass gute Beziehungen unsere Gene verändern können, finde ich wunderbar. Mein japanischer Yogalehrer Masahiro Oki hat es einmal so formuliert: „Da alles ist, wie es ist: vollendet in seiner Form, flüchtig in seiner Erscheinung, können wir getrost in Gelächter ausbrechen." Mit diesem Satz im Hinterkopf kann das Leben leicht werden.
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