Yogaplattform in der Wüste mit Yogis
30.04.2026

„Die Wüste heilt. Sie öffnet das Herz. Sie gibt uns zurück, was wir im Alltag vergessen haben."

Barak Oussidi führt Gruppen aus ganz Europa an den Ort seiner Kindheit, mitten in die marokkanische Wüste. Mit Sahara Yoga hat er ein Programm geschaffen, das weit mehr ist als Reisen: Es ist eine Einladung, innezuhalten, loszulassen und sich selbst wiederzufinden. 

Im Interview erzählt er, wie die Stille der Wüste ihn prägte, was Gäste im Camp erwartet und warum echte Veränderung manchmal nur fünf Tage braucht.

 

Ein Berber sitzt in Wüste Sahara im Hintergrund Gruppe von Menschen Sahara Yoga
Im schatten eine Mahlzeit genießen Yogitrip
Menschen auf Kamelen in der Wüste Sahara Sahara Yoga
Yoga in der Wüste von Marokko Sahara Yoga

 

Barak, du bist als neunter Sohn einer Nomadenfamilie in Merzouga aufgewachsen und lebst heute in Norddeutschland. Wie trägst du diese beiden Welten in dir? 

Ich bin in Marokko geboren und aufgewachsen und heute lebe ich einen großen Teil meines Lebens in Norddeutschland. Das sind auf den ersten Blick zwei komplett unterschiedliche Welten, aber für mich fühlt es sich gar nicht wie ein Widerspruch an.

In mir fließen die Stille der Sahara und die Frische der Ostsee zusammen. Wenn ich morgens in Kiel aufwache und den Wind höre, denke ich oft an die Dünen von Merzouga, wo ich als Kind gespielt habe.
 

Was bedeutet es für dich, Gäste aus Deutschland genau an den Ort deiner Kindheit zu bringen?

Das ist für mich etwas sehr Intimes. Ich zeige ihnen nicht einfach eine schöne Landschaft. Ich nehme sie mit in meine Geschichte. Es ist, als würde ich jedem Gast sagen: Komm, ich zeige dir den Ort, der mich gemacht hat.

Manche kommen mit Vorurteilen über Marokko. Und dann sitzen sie am Lagerfeuer, essen das Essen meiner Schwester, hören die Stille der Nacht und plötzlich ist alles anders. Die Brücke zwischen diesen beiden Welten zu sein, das ist mein größtes Geschenk.
 

Die Idee zu Sahara Yoga entstand, als du allein auf einem Kamel durch die Dünen geritten bist. Was hat dir die Wüste in dieser Stille gesagt? Und welcher Moment hat dich überzeugt: Das muss ich anderen zeigen?

Die Wüste spricht nicht mit Worten. Sie spricht mit Stille. Als ich tagelang allein auf dem Kamel gereist bin, hat etwas in mir aufgehört zu suchen. Ich war einfach da – vollständig anwesend. Kein Telefon, kein Stress, keine Gedanken an Morgen. In diesem Moment habe ich verstanden: Diese Klarheit, dieses Loslassen, das brauchen mehr Menschen. Warum sollte das nur ich erleben?
 

Dein Wüstencamp empfängt Gruppen aus ganz Europa. Was erwartet unsere Gäste, die zu euch kommen?

Alle Gäste, die zu uns kommen, die empfangen wir wie Familie. Und das meine ich wörtlich. Die Reise geht nach Marrakech, dann in Richtung Wüste. Der Moment, wenn man zum ersten Mal auf einem Kamel sitzt und die Dünen vor sich sieht, vergisst sich nicht. 

Im Camp selbst finden unsere Gäste alles, was sie brauchen, und nichts, was sie ablenkt. Morgens werden alle mit einem Gong geweckt, dann Yogapraxis, abends eine zweite Einheit. Und dazwischen? Stille. Wandern. In-sich-Hören. 

Abends sitzen alle am Lagerfeuer unter einem Sternenhimmel, wie man ihn in Deutschland nie sehen wird. Wir singen, meditieren und schweigen zusammen. Das ist kein Urlaub. Das ist eine Begegnung mit sich selbst.
 

Du sagst, man braucht mindestens fünf Tage, um in der Wüste wirklich anzukommen. Was passiert in diesen Tagen mit den Menschen und was beobachtest du, wenn jemand aus dem Camp wieder aufbricht?

Die meisten Menschen kommen mit dem Körper an, aber der Kopf braucht Zeit. In den ersten ein, zwei Tagen fühlen sich viele unruhig. Das ist der Lärm des Alltags, der sich noch nicht gelegt hat.

Ab dem dritten Tag passiert etwas. Ich sehe es in den Gesichtern. Die Menschen werden ruhiger und langsamer. Sie beginnen, wirklich miteinander zu sprechen. Nicht über Arbeit, sondern über das, was sie wirklich bewegt.

Nach fünf Tagen sehe ich eine echte Veränderung. Wenn sie gehen, sagen viele: „Ich kann es nicht erklären, aber irgendwas hat sich verändert." Und genau darum geht es. 
 

Du hast in Merzouga ein Kinderhilfsprojekt gegründet, das inzwischen über 300 Kindern Schulbildung ermöglicht, und 600 Palmen gepflanzt. Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich konkret? Wie tragen Reisende dazu bei?

Nachhaltigkeit ist kein Schlagwort – es ist ein Wert, den mir mein Vater mitgegeben hat. Er sagte immer: „Wenn du einen Graben gräbst und Wasser findest, trinke nicht alleine. Lass alle anderen auch trinken. Dann wird das Wasser immer fließen." 

Wir haben neun Vorschulklassen eingerichtet, wo Kinder aus armen Familien lernen können, bevor sie in die reguläre Schule kommen. Über 300 Kinder profitieren davon. Das sind keine Zahlen für mich. Das sind Gesichter, Namen, Zukunften. 

Und die Palmen, über 600 haben wir inzwischen gepflanzt. Wir haben einen Brunnen gebaut, Wasser fließt, die Oase wird grüner. Das geht langsam. Aber wie mein Vater sagte: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Die Reisenden tragen bei, indem sie kommen. Durch ihre Buchung unterstützen sie direkt diese Projekte. Viele engagieren sich auch darüber hinaus, durch Spenden, durch Aufmerksamkeit, indem sie zuhause über das erzählen, was sie gesehen haben. Wer einmal in der Wüste war und die Kinder dort gesehen hat, vergisst sie nicht.
 

Was ist dein größter Wunsch für die Menschen, die nach einer Woche in deiner Sahara nach Hause fahren?

Dass sie das, was sie in der Wüste gefunden haben, nicht im Sand lassen. Dass sie die Stille ein bisschen mitnehmen, ihren Liebsten mit mehr Geduld begegnen und wieder wissen, was wirklich wichtig ist. Viele sagen, sie kommen als eine Person an und fahren als eine andere wieder ab. Die Wüste heilt. Sie öffnet das Herz. Sie gibt uns zurück, was wir im Alltag vergessen haben.

 

zum Sahara-Yoga

 

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