Interview mit Yogalehrerin Selma Brenner
Selma Brenner unterrichtet Yoga seit vielen Jahren, mit Wurzeln im klassischen Iyengar Yoga, vertieft durch Ausbildungen in Indien und zahlreichen weiteren Ansätzen. Im Interview spricht sie darüber, was sie an Reisen als Unterrichtsformat schätzt, wie Meditation und Achtsamkeit ihren Weg prägen und warum Yoga für sie vor allem eines ist: nachhause kommen.
Liebe Selma,
NEUE WEGE: Was hat dich ursprünglich dazu motiviert, mit Yoga zu beginnen und wie hat sich dein Weg bis heute entwickelt?
Selma Brenner: Mein Yoga-Weg begann aus einer sehr persönlichen Herausforderung: Während meines Studiums drohte mir aufgrund einer Hüftfehlstellung eine beidseitige Hüft-Operation. Yoga war für mich die Alternative – und plötzlich war es weit mehr als eine körperliche Praxis. Die körperliche Erfahrung öffnete mir den Zugang zu innerer Wahrnehmung, Achtsamkeit und Heilung.
Ich habe mich in klassischem Iyengar Yoga ausbilden lassen, war mehrfach bei B.K.S. Iyengar und seiner Familie in Indien und habe danach weitere Vertiefungen gemacht, etwa in Vijnana® Yoga, Yin Yoga, Svastha Yogatherapie und zuletzt WYDA, Keltisches Yoga. Außerdem hoste ich einmal im Jahr eine 32h-Yin Yoga Fortbildung. Diese unterschiedlichen Zugänge und meine kontinuierliche Weiterbildung prägen meinen Unterricht: präzise Ausrichtung, innere Resonanz und zugleich Weichheit und Freiheit in der Praxis.
NEUE WEGE: Wie würdest du deinen Übungsstil beschreiben? Welche Schwerpunkte prägen deine Arbeit?
Selma Brenner: Mein Stil ist klar, achtsam und funktional – mit einem Fokus auf Alignment (Ausrichtung), Nervensystem-Regulation und der Verbindung von Körper, Atem und Bewusstsein. Ich kombiniere Elemente aus klassischem Yoga-Training mit therapeutischen, meditativen und achtsamkeitsbasierten Ansätzen, sodass Körper, Geist und Gefühl gleichberechtigt Raum haben.
NEUE WEGE: Welche Bedeutung haben Meditation, Achtsamkeit oder innere Praxis in deinem Leben und in deinem Unterricht?
Selma Brenner: Meditation, Achtsamkeit und innere Praxis sind kein „Add-On“, sondern das Herz meines Weges:
Sie schaffen Raum für Präsenz, Selbst-Resonanz und Selbst-Verantwortung. Diese Qualitäten fließen bewusst in meinen Yoga-Unterricht ein. Denn in Yoga geht es immer um‘s „nachhause Kommen“, ganz zu sich selbst, der eigenen, inneren Essenz. Seit einige Jahren biete ich in Salzburg mit einem Bildungsträger eine eigene Meditation- & Achtsamkeits-Ausbildung an, um Menschen tiefer in ihre innere Erfahrung zu begleiten bzw. ihnen zu ermöglichen, diese an Andere weiterzugeben.
NEUE WEGE: Dein Warum: Was bewegt dich daran, Menschen auf Reisen zu begleiten – und nicht nur im Studio oder im Alltag zu unterrichten?
Selma Brenner: Reisen schaffen einen Zwischenraum zwischen Alltag und innerer Öffnung. Ohne äußeren Druck kehrt der Fokus oft schnell nach innen – auf Wahrnehmung, Empfindung und Präsenz. Genau diesen Raum halte ich gerne, weil echte Transformation dort leichter stattfinden kann. Gemeinsam unterwegs zu sein – und dabei auch viel in der Natur - heißt, sich gegenseitig zu spiegeln, inspirieren und unterstützen – das ist sehr kraftvoll und nährend.
NEUE WEGE: Was dürfen die Gäste während einer gemeinsamen Kurswoche mit dir erwarten – fachlich wie menschlich?
Selma Brenner: Fachlich fundierte Praxis, präzise Anleitung, achtsame Sequenzen und Raum für Stille, Atemarbeit und Selbstwahrnehmung. Auch bei körperlichen Einschränkungen oder unterschiedlichen Levels gebe ich individuelle Anpassungen und Unterstützungen, denn jeder Körper ist anders und jeder kann Yoga machen und Yoga anders erleben! Menschlich begegnen die Gäste in mir einen offen, respektvollen und humorvollen Geist – mit Klarheit, Herz und einem Gespür für das, was die Gruppe gerade braucht.
NEUE WEGE: Für wen ist deine Reise besonders geeignet?
Selma Brenner: Für Menschen, die Yoga nicht nur als körperliches Training, sondern als Weg zur inneren Balance, Selbst-Wahrnehmung und Ruhe erleben möchten – egal ob mit viel oder wenig Erfahrung.
NEUE WEGE: Gab oder gibt es Lehrende, Traditionen oder Begegnungen, die dich besonders geprägt haben?
Selma Brenner: Ja. Meine Iyengar-Ausbildung, Aufenthalte in Pune bei B.K.S. Iyengar, Geeta und Prashant Iyengar und Vertiefungen in Vijnana® Yoga mit Orit Sen Gupta und Svastha Yogatherapie mit Ganesh Mohan haben meine Perspektive auf Yoga nachhaltig geprägt, ebenso die vielen inspirierenden Lehrenden und KollegInnen, die ich in meinem Studio erlebt habe, sei es Bryan Kest, Barbra Noh, Tanja Seehofer, James Higgins, Young Ho Kim oder andere…
NEUE WEGE: Was bringt DICH außerhalb der Yogamatte schnell wieder in Balance?
Selma Brenner: Zeit in der Natur, bewusste Pausen und Atemmomente - und offene Gespräche mit Menschen, die ähnlich empfindsam und neugierig sind. Außerdem meine Teenie-Zwillinge, die meine eigentlichen Gurus sind und mich immer wieder fordern.
NEUE WEGE: Gibt es noch ein Zitat, eine Weisheit oder ein Gedanke, der für dich persönlich wichtig ist.
Selma Brenner: Yoga ist „Coming Home“ – ganz zu sich selbst, unabhängig von körperlichen Möglichkeiten oder Begrenzungen sowie Perfektion oder Leistung.
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