15.05.2024Teilen

Reisebericht Bhutan: Eine unvergessliche Reise ins Land des Glücks

Meine Reise nach Bhutan hat im April 2024 stattgefunden. Emotional hat sie aber schon locker 10 oder 15 Jahre vorher begonnen, als ich vom Bruttonationalglück gehört habe. Dieses wird in Bhutan statt dem Bruttoinlandsprodukt genutzt, um zu messen, ob auf Landesebene die Voraussetzungen ausreichend erfüllt sind, damit die Bevölkerung glücklich und zufrieden leben kann. Für mich klang es wie ein ernsthafter Versuch, einen „empathischen Kapitalismus“ zu erfinden. Seitdem ist Bhutan für mich ein Traumziel.

Heute wünsche ich, ich hätte mich schon früher getraut, die Zeit und das Geld in diese Reise zu investieren. Stattdessen habe ich wohl auf einen Schicksalsschlag gewartet, der mich daran erinnern musste, dass das Leben viel zu kurz ist. Gleichzeitig bin ich dankbar für den Schicksalsschlag: ich bin 34 und mit etwas Glück habe ich noch ein langes Leben vor mir, um die Reise zu wiederholen.
 

Start der Reise in Kathmandu

Die Reise startet mit 3 Tagen in Kathmandu im ruhigen und eleganten Shambaling Boutique Hotel. Dort gewöhne ich mich an den Jetlag und lerne ein bisschen den lokalen Buddhismus kennen. Was ich ohne große Überzeugung bei der Reisebuchung akzeptiert habe, stellt sich als eine exzellente Idee heraus: dadurch habe ich nicht nur Zeit in einer anderen Welt anzukommen. So kann ich auch mit allen Sinne Abstand von zuhause gewinnen, denn die 3 Tage fühlen sich durch die vielen Eindrücke wie 10 an. Eine unvergessliche ayurvedische Massage im Spa hilft dabei natürlich auch. Ein schöner, spannender und wertvoller Zwischenaufenthalt also, der Lust auf mehr macht.
 

Der Bhutan-Traum geht in Erfüllung

Am vierten Tag geht der Bhutan-Traum endlich in Erfüllung. Ich bin extra früh beim Check-in Schalter und frage hoffnungsvoll, ob es noch einen „Mountain-view“ Sitz gibt. Die Mitarbeiterin schaut mich leicht irritiert an und informiert mich, dass ich doch bereits alles im online check-in erledigt habe. Habe ich das? Und dann fällt es mir ein: das war wohl Herr Keller von NEUE WEGE, der sich proaktiv drum gekümmert hat. In mir baut sich eine leicht euphorische Welle an Dankbarkeit auf, wie an Weihnachten, wenn man genau das bekommt, was man insgeheim wollte.

Der Flug nach Paro ist unbeschreiblich schön und ich werde mich während der Reise noch oft mit anderen Gästen darüber wundern, wie sehr Berge einen emotional berühren können. Die Himalaya Kette hört einfach nicht auf und sie ist zum Greifen nah. Allein dafür hat sich die Reise schon gelohnt! In Bhutan gelandet, geht die bunte Reise noch vor der Gepäckausgabe los, weil der Flughafen wunderschön traditionell geschmückt ist. Ich tausche schnell noch Geld aus und werde am Ausgang von meinem Guide und meinem Fahrer in Empfang genommen.

In der Hauptstadt Thimphu starte ich mit dem Besuch unterschiedlicher Tempel, Museen und Handwerks-Ateliers. Ich lerne etwas über die 13 beeindruckenden Kunsthandwerke des Landes, über das kostenlose Schulsystem (auch für Kinder, die ihren Platz im klassischen Schulsystem nicht finden konnten), über traditionelle Medizin und die bhutanische Art diese mit der westlichen Medizin zu kombinieren, und viel mehr. Auch der tanzende Polizist im Kreisverkehr darf bei der Tour auf keinen Fall fehlen. Meine Begeisterung ist die eines Kindes, das zum ersten Mal Disneyland betritt.

Am meisten fasziniert mich die Papierfabrik und die vermeintlich kompakten und feuchten Faserblöcke, aus denen der letzte Mitarbeiter der Kette einzelne filigrane Blätter vorsichtig abzieht, um sie zu trocknen.

Beim Spazieren entlang des Stadions treffen wir zufällig auf eine Bogenschieß-Partie. Es dauert ein bisschen, bis ich die Regeln und das Verhalten der Spieler einordnen kann. Und plötzlich fiebere ich mit und ärgere mich, wenn der Pfeil knapp daneben geht. Denn bei ca. 145 Metern Entfernung zwischen Spieler und Zielscheibe, sind wenige Zentimeter wirklich frustrierend! Umso schöner ist es dann, wenn das Gewinnerteam für seinen Spieler, der gerade ein Punkt erzielt hat, tanzt und singt. Solche Gänsehautmomente werde ich in den kommenden Tagen noch öfters erleben.

Eine Wanderung zum gigantischen goldenen Buddha und ein Ausflug in das Takin-Reservat runden mein Aufenthalt ab. Wieder fühlen sich die 3 Tage wie 10 an und ich freue mich zu wissen, dass der richtig schöne Teil der Reise noch vor mir liegt.

Nächstes Mal möchte ich Thimphu auch am Wochenende erleben, mal in eine Karaoke-Bar oder im Markt schlendern gehen. Aber für dieses Mal war es genau richtig, um sich einen ersten Eindruck zu machen. Und das exzellente und zentral gelegene Pelyang Boutique Hotel besuche ich auch gerne wieder.
 

Wanderung zum Dochula Pass

Die Reise geht weiter Richtung Osten und die Wanderung zum Dochula Pass wird mich prägen. Die Wälder sind märchenhaft: die blühende Rhododendron-Bäume bringen bunte Farben in die leuchtend-grüne Landschaft. Dazu kommen manchmal Gebetsfahnen. An den Bäumen hängen teilweise „Engelshaare“ und es sieht so aus, als wäre der Mensch hier zu Gast, in einer Welt, die ihm ausnahmsweise mal nicht gehört.

Immer wieder laufen wir an Daphnen vorbei, diese Bäume, aus denen das traditionelle Papier gemacht wird. Auch sie blühen und schenken uns immer wieder ihren sanften Geruch, während wir durch ihre Parfumwolken rein- und wieder raus-spazieren.

Naja, „spazieren“. Die Wanderung ist ein Spaziergang für diejenigen, die sich Zeit lassen. Zeit für die Landschaft aber auch Zeit für den eigenen Körper. Die Luft wird immer dünner auf dem Weg zum Langchutse Lhakhang, der bei ca. 3.500 Höhenmetern liegt. Meine Augen sehen einen leichten Weg ohne nennenswerte Hürden – mein Körper aber braucht immer wieder Atempausen und die Fitnessuhr zeigt oft einen Puls von 145. Ich habe 2 Stunden für die ersten 3 km gebraucht und lerne in dem Augenblick meinen Körper neu kennen.

All das gibt dieser Wanderung den Charme einer Reise in eine andere Welt und eine andere Zeit. Das, was mich üblicherweise in Deutschland beschäftigt, ist ganz weit weg und völlig unwichtig. Plötzlich ist es wichtig Pausen zu machen, zu atmen, zu trinken, was zu essen und die wenigen Menschen, die wir begegnen, aus dem Herz heraus anzulächeln. Mal die Augen öffnen, um alles zu bewundern. Und mal die Augen schließen, um besser zu riechen, zu hören und zu spüren. Ja, spüren. Denn wenn Sie mich fragen: auf diesem Pilgerweg kann man die Energien um sich herum fühlen.

Mich berühren auch Begegnungen. Es sind nicht nur mein Guide und mein Fahrer, die unfassbar freundlich und hilfsbereit sind. Es sind auch die Pilger, die uns Tee und Kekse mitten im Wald anbieten. Andere, die mir für die Wanderung gratulieren; die interessiert fragen, ob ich es schwer fand; woher ich komme und ob es einem hier gefällt. „Bitte besuchen Sie uns wieder, wir würden uns so freuen Sie nochmal willkommen heißen zu dürfen“.

Mich überrascht auch das offene Herz der Bhutaner*innen: die tiefe Dankbarkeit, weil man die lokale Wirtschaft mit dem Besuch unterstützt und somit auch „Hoffnung“ (sic) schenkt oder die wiederholten Entschuldigungen für die Sichtverhältnisse, weil die für mich bereits atemberaubende Aussicht noch schöner sein könnte, wenn es doch nur klarer wäre. Dabei sehe ich vor meinen Augen ein Gemälde, dass Maler der Romantik unendlich inspiriert hätte. Ihre Perspektive auf diese Dinge lässt mich nachdenklich.

Am Ende der Wanderung kommen wir beim Dochula Pass an. Mein Fahrer gratuliert mir für die Wanderung und nimmt meinen Rucksack ab. Während der Reise werde ich noch lernen diese freundlichen Hilfeleistungen dankend anzunehmen. In den ersten Tagen hatte ich die Sorge mein Team wie Lakaien zu behandeln. Doch mit der Zeit verstehe ich, dass es ein ehrliches und freundschaftliches Miteinander ist. Es ist nicht nur eine Pflicht aus dem Anstellungsvertrag oder ein Trick für mehr Trinkgeld, es ist eine moralische Verpflichtung, die aus seinem Inneren kommt. Seine Hilfe und seine Freundlichkeit sind wie ein Ausdruck seiner Integrität.

Der Pass und seine 108 Chorten belohnen meine Bemühungen. Die Aussicht ist mal wieder wunderschön und meine Augen werden trotz der vielen filigranen Details der Chorten, die wie Stickereien aussehen, nicht satt.
 

Punakha

Wir fahren weiter nach Punakha und auch dort sind alle meine Sinne wunschlos glücklich. An einem warmen Tag wandern wir hoch zum prächtigen Khamsum Yulley Namgyal Chorten. Die kurze Wanderung hätte sich bereits gelohnt, wenn sie hier geendet hätte. Wir gehen dann aber weiter durch die Gemüsefelder und am Fluss entlang, weg von den (wenigen) Menschen. Nach dem Tempelbesuch treffen wir auf eine Bäuerin, die hier ihre Gurken zum Snacken anbietet. Ich wusste nicht, dass eine Gurke so erfrischend und lecker sein kann! Ein langanhaltender Augenblick der einfachen Freude. Und ich muss laut lachen, wenn ich sehe, mit wie viel Chili mein Guide seine Gurke isst. Neben den wunderschönen Dingen, die ich in Bhutan sehe, bereichern mich diese vermeintlich einfachen Momente. Das große Glück steckt manchmal in den kleinen Details.

Je tiefer wir im Osten eindringen, desto ruhiger wird es. In den darauffolgenden Tagen gibt es immer weniger Städte und die Dörfer werden immer sporadischer und kleiner. Während der Fahrt und bei jeder Pause möchte ich tausend Bilder machen: jedes Bild ist eine andere Postkarte, jede schöner als die andere. Die Vielfalt der bhutanischen Schönheiten lässt mich sprachlos.

In den Dörfern kommt es manchmal zu kurzen Stromausfällen. Dennoch gibt es jeden Tag Internet, um der Familie zu sagen, dass es mir gut geht. Die Hotels sind moderner und gemütlicher als erwartet: die Zimmer und Bäder sind groß, liebevoll eingerichtet und immer sauber. Insbesondere im sehr schönen Zhingkham Resort in Trongsa und im netten Hotel Phobjikha in Gangtey ist die Aussicht aus dem Fenster einfach sensationell. Jedes Mal sehe ich ein anderes bewegendes Panorama aus dem Fenster, als gäbe es in Bhutan keine „schlechteren“ Zimmer (Sie wissen doch, dieser ominöse „seitliche Meerblick“ oder die „Garden View“, die zum Parkplatz des Hotels gerichtet ist).
 

Trongsa und sein Dzong

Ein Höhepunkt meiner Reise ist Trongsa und sein Dzong mit seinen unterschiedlichen Etagen, seine vielen Erweiterungen im Laufe der Jahre und die für mich schönste Aussicht der Reise. Ich wünschte es gäbe Worte um diesen Moment zu beschreiben. Wir sitzen am Rand der Mauer und schauen ins Tal hinunter. Für mich passiert hier etwas Magisches. Ich vergieße ein paar Tränen und genieße die ruhigen Minuten.

Hier wird ein Satz geboren, der mich nicht mehr loslassen wird: jeden Abend denke ich mir „jetzt kann ich glücklich sterben". Und gleichzeitig wollte ich noch nie so sehr leben wie jetzt.

Jeder Tempel, jedes Kloster, jede Wanderung und jede Mittagspause in kleinen Homestays übertreffen die vorherigen. Die Glocken der Gebetsmühlen leuten jedes Mal im Einklang mit einer „ruhigen Wachheit“ in mir. Ich werde nicht müde die vier Beschützer am Eingang der Gebäude zu beobachten, die Malereien und ihre immer wiederkehrenden Mustern zu studieren, die Holzschnitzereien, die wie bunte Juwelen leuchten, und die detailreichen Gtor-ma zu bewundern. Hier werde ich wieder zum Kind, mein Kiefer fällt tief und meine Fantasie erfindet tausend Märchen über das glückliche Leben in Bhutan. Ein einfaches Leben, im Einklang mit der Umwelt, wo Grundbedürfnisse und altruistische Werte ausreichen, um zufrieden und friedlich zu leben.
 

 Festival in Bumthang

Auf der Fahrt nach Gangtey habe ich Schwierigkeiten mich an die Höhenmeter zu gewöhnen. Der Control-Freak in mir (der zu oft Google nach Diagnosen fragt) lernt plötzlich, was es bedeutet „los zu lassen“. Sich auf die Reise „einzulassen“. Hier lerne ich das, was ich in 1.000 Büchern bisher nur rational verstehen konnte. Das wird einer der wichtigsten Schätze meiner Reise sein: einen Schritt nach dem anderen zu gehen und nicht sofort den ganzen Berg erklimmen wollen. Ich habe hier eine Lektion fürs Leben gelernt.

Bald in Bumthang angekommen, erfahre ich, dass das Festival doch nicht am Tag unserer Ankunft starten wird. Manche Dinge kann man nun mal nicht einfach so planen wie bei uns. Man muss immer wieder neu berechnen, ob der Tag im Sinne des Mondkalenders, der Astrologie, der Numerologie und anderer Dinge, die ich noch nicht verstehe, geeignet ist. Wie kann man so kurz vor knapp nicht wissen, wann das jährliche Festival startet, fragen sich meine deutschen Automatismen.

Doch das Loslassen und Annehmen haben sich in mir schon breit gemacht: ich bewundere die Flexibilität der Bhutaner und ich freue mich, dass wir bis dahin noch Zeit für eine wunderschöne, lange Wanderung ins Tal haben. Da wir kein Auto benötigen kommt mein Fahrer mit. Drei Freunde unterwegs, so fühlt es sich an. Langsam packt mich die Traurigkeit, dass die Reise bald enden wird. Ich wende das an, was ich gerade lerne: ich nehme dankend die Tage so an, wie sie kommen. Und schon festigt sich der Entschluss bald wieder zu kommen.

Am letzten Abend in Bumthang sagt mir ein Gast: „wenn du einmal hier warst, hast du halt echt ein Problem“ und lacht. Ich bin wohl nicht die Einzige, die wiederkommen muss. Mein Fahrer und mein Guide fahren mit dem Auto zurück nach Paro und freuen sich über eine Nacht bei sich zuhause. Ich werde am nächsten Morgen rüber fliegen, um mir die lange Rückfahrt zu ersparen.

Inzwischen habe ich nicht mehr den Eindruck allein zu vereisen. Die Jungs sind Freunde geworden und wir reisen nun als Team. „Glaubst du, du erkennst uns noch, wenn wir dich morgen am Flughafen abholen, oder sollen wir ein Schild mit deinem Namen mitbringen?“, fragt mein Guide humorvoll, als wir uns verabschieden. Am nächsten Morgen lachen sie mit mir, als ich mein Namenschild für sie bei der Ankunft hochhalte.

In Paro schaue ich mir u.a. das wunderschöne Nationalmuseum des Taa-Dzong an und kann noch letzte Souvenirs in der Stadt besorgen. Wie in anderen Städten auch, ist es kein Problem mal alleine zu schlendern. Die Jungs geben mir weder den Eindruck, gelangweilt auf mich zu warten, noch dass sie sich übertrieben auf die Pause freuen würden. Das passt einfach, wie so vieles während dieser Reise: es ist einfach super entspannt und unkompliziert.
 

Bumdra Trek zum Tigernest

Inzwischen bin ich gut akklimatisiert und nun kann ich das ultimative Abenteuer wagen: den 2-tägigen Bumdra Trek zum Tigernest! Warum wollte ich den Trek eigentlich machen? Was macht denn eine Couch-Potatoe wie ich hier, w-a-r-u-m?

Das werde ich mich den ganzen langen Tag immer mal wieder fragen. Es fängt auch schon wunderbar an, als mein Guide mir winzige Häuschen auf dem Berg gegenüber zeigt und fragt, ob ich weiß, was das ist. Ich bin schon durchgeschwitzt und außer Atem, mein Gehirn denkt „woah! Ist das wohl das Tigernest, wo wir morgen ankommen werden?“

Doch noch bevor ich was sagen kann, teilt mir mein Guide voller Freude mit, dass wir dort Mittagessen werden. Ohje…Hier wird meine neue Lebensweisheit immer wieder aufs Neue bekräftigt: es geht nicht um den Berg, es geht um den nächsten Schritt. Und es geht nicht darum, ob mein Körper es kann. Viel wichtiger ist, ob ich an mir selbst glaube oder ob ich mich nun selbst sabotieren werde. Überraschenderweise packt es mich trotz aller Anstrengung immer wieder: nächstes Mal, mache ich den Trek nochmal!

Der Tag ist anstrengend, klar. Ich bin froh, dass ich Nussriegel im Rucksack habe und auch das Wasser schleppen lohnt sich. Doch die Anstrengung wird kontinuierlich belohnt. Ich sehe Rhododendron Sorten, die ich bisher nicht wahrgenommen hatte. Die Aussicht, der Wald, und auch wenn es mal eine frische Brise gibt. Das alles macht den Weg zu einer wunderschönen Wanderung. Mein Guide hat mir ausgerechnet, dass ich noch vor Mittag Gebetsfahnen aufhängen soll, das mache ich dann auch. Die vielen Pausen sind so viele Glücksmomente und mein Körper badet in Glückshormonen. Ich bin zuversichtlich, dass ich es schaffen werde.

Mittags haben wir wahrscheinlich den schönsten Picknick Platz im ganzen Land und ich kann meinen Luxus nicht fassen, hier oben eine warme, herzhafte Mahlzeit genießen zu dürfen. Ich sehe von hier aus wo wir gestartet sind. Ich hätte Stolz erwartet, jedoch spüre ich stattdessen eine tiefe Dankbarkeit für mein gesunder Körper, der das gerade ermöglicht.

Nach dem Essen geht es weiter. Ein paar Stunden später komme ich an meine Grenzen und mein Kopf will langsam einfach nicht mehr. Ich traue mich meinen Guide zu fragen, wie lange es noch dauert. Ich sehe kein Ende und meine Uhr sagt doch, dass wir langsam da sein müssten. Hätte ich die nächste Kurve wenige Meter weiter abgewartet, hätte ich mir die Frage sparen können: Wir sehen das Plateau und die ersten Zelte. Geschafft!

Die Beine tun weh, als wir uns auf gemütliche Stühle fallen lassen und dankend Tee annehmen. Ich weine vor Freude, vor Erschöpfung, vor Dankbarkeit und vielleicht – ja – vor Stolz. 1.000 Höhenmeter über 7 Kilometer. Ich wusste nicht, dass ich das kann.

Im Zelt gibt es ein Bett und ich freue mich über ein kurzes Powernap. Vor dem Abendessen gehen wir noch das Kloster besuchen. Hier würde ich am liebsten den ganzen Tag sitzen bleiben und meditieren. Es ist einfach, dennoch überwältigend schön und friedlich. Weil es am frühen Abend kalt ist und ich müde bin, gehe ich nach dem Abendessen direkt ins Bett. Daher bin ich am nächsten Morgen ausgeschlafen, als ich um 5 Uhr morgens wachwerde. Wo die Langschläferin in mir wohl geblieben ist? Ich gehe zu meinem geliebten Stuhl, wickele mich in einer Decke ein und genieße die Morgenstille. Das Kloster hängt im Nebel und ich denke wieder an die Maler der Romantik.

Gegen sechs wacht das Camp langsam auf und das lokale Team schenkt Tee ein. Es wird sogar warmes Wasser für die morgendliche Toilette gekocht. Diesen Luxus hatte ich nicht erwartet.

Und plötzlich, während der Himmel klarer wird und andere Gäste ein Feuer starten – darunter Mönche, die frische Weihrauchpflanzen verbrennen, damit sie ihre Morgenrituale und Gebete verrichten können – sehe ich die  weiße Himalayakette am Horizont , die ich am Tag davor wegen des Wetters nicht erahnen konnte. Ein atemberaubender Augenblick. Und viele Glücksgefühle. 

Nach einem köstlichen Frühstück geht es weiter. Nach zwei wunderschönen Tempelbesuchen, in denen wir großzügig willkommen geheißen werden, sehen wir endlich das Tigernest zwischen den Bäumen. Man geht aber nicht einfach nach Taktsang. Man muss es sich verdienen! Denn die Wanderung mündet auf einem Weg, der nur noch aus Treppen besteht. Es geht runter und wieder hoch – und die Eingangstür ist im Endeffekt auch nur ein Holzrahmen über einer weiteren Treppe.

Hier ist alles so schön und beeindruckend, dass ich meine Müdigkeit vergesse und wieder völlig in eine andere Welt eintauche. Meine Mühen, um hierher zu kommen, sind ein Witz verglichen mit der Belohnung, die ich hier erfahre. Und auch das wohlverdiente hot stone bath nach der Wanderung spendet reichlich Glückshormone! Was für ein Highlight!

Ja, den Bumdra Trek mache ich definitiv nochmal!
 

Abreise

Am nächsten Tag reise ich ab. Im Auto ist es zu früh, um traurig zu sein, und die Reise war zu schön, um etwas anderes als Dankbarkeit zu empfinden. Die Jungs bringen mich gemeinsam zum Flughafen, obwohl es 5 Uhr morgens ist. Morgen werden sie wieder mit neuen Gästen unterwegs sein. Sie haben sich kein einziges Mal beschwert, als ich fragte, ob der Zeitplan nicht zu eng sei. Schließlich waren sie 2 Wochen mit mir unterwegs und könnten eine Pause brauchen. Ich vermute, sie freuen sich über jeden Gast, denn die Pandemie hat sie schwer getroffen und die Gebühr für die Sustainability Fee schreckt wohl immer noch einige potenzielle Gäste ab. Schade eigentlich, ich finde, dass die Wertigkeit der Reise und der sinnhafte Einsatz der Sustainability Fee den Preis alle Male rechtfertigt. Und ich freue mich jetzt schon für die nächste Reise zu sparen.

Erst als das Flugzeug pünktlich abhebt, überströmen Tränen mein Gesicht, sowohl vor Traurigkeit als auch vor Freude. Es tröstet mich zu wissen, dass ich wieder kommen werde.

In Bhutan sagt man wie bei uns auch „auf Wiedersehen“ und nicht „adieu“. Na dann… Shoelay jagay!

 

zu unserem Bhutan-Reisen

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben von:

NEUE WEGE Kundin Ytto H.