Bereit für eine entspannende Yoga-Stunde
08.03.2019 Jürgen Laske

Yoga Wissen – Natur- versus Kunststoffmatten


Yogamatte für den Yoga-Kurs © iStock Tatomm
Jürgen Laske ist Yogalehrer und Geschäftsführer der Yogamanufaktur Bausinger

Wir sind als Hersteller und Aussteller von Yogamatten und Yogazubehör auf vielen Yogamessen sowie Yoga Festivals und sehr oft bekommen wir folgende Frage gestellt: Was ist die beste, dünnste und rutschfesteste Yogamatte?

Sehr oft entgegne ich mit mehreren Gegenfragen: Kommt ganz darauf an, denn....
Was für einen Yogastil üben Sie? Was für einen Boden haben Sie? Haben Sie körperliche Beschwerden z.B. an Knie, Hüfte, Rücken oder Gelenke, welche eine bessere Dämpfung erfordern? Haben Sie Allergien oder besondere Materialvorlieben?

Und schon sind wir drin in der Diskussion rund um die Anforderungen an eine gute Yogamatte. Um es kurz zu machen: DIE allgemeingültig beste Yogamatte gibt es nicht. Jede Yogamatte ist in der Summe ihrer technischen Eigenheiten und der Abdeckung des praktischen, individuellen Anforderungsprofils ein Kompromiss. Eine gute Yogamatte für Ashtanga-Yoga ist anders beschaffen als eine für klassisches Hatha-Yoga und diese wiederum sieht anders aus als eine Yogamatte für Yin-Yoga - einfach weil auf den Matten anders Yoga geübt wird.

Der Rutschfestigkeit wird heute ein sehr großer Stellenwert eingeräumt und in der Tat erlauben sehr rutschfeste Yogamatten, wie solche aus Naturkautschuk oder PVC körperlich herausfordernde Asanas, wie diverse Streck und Dehnhaltungen, allen voran der 'herabschauende Hund' oder die diversen 'Krieger'-Variationen. Mit einher geht die notwendige Zugfestigkeit der Yogamatte, welche in der Regel durch ein einlaminiertes Glasfaser-Gewebe erreicht wird. Das ist im Übrigen auch das Hauptunterscheidungsmerkmal zu den 'Gymnastik-, Fitness- oder Sportmatten' welche als günstigste Einsteigermatten von diversen Großversendern und Discountern vertrieben werden.

Bei Yogastilen, wo sehr viel geschwitzt wird, ist die Nassrutschfestigkeit und einfache Reinigung ein wichtiges Kriterium. So finden sich im Bikram- und Hot-Yoga häufig Matten mit einer Mikrofaser-Beschichtung oder einer angerauhten PVC-Oberfläche. Im Übrigen sind einige Yogalehrer durchaus auch skeptisch mit der überaus hohen Rutschfestigkeit von Yogamatten. So verstehen immer mehr Yogalehrer, dass die Rutschfestigkeit der Yogamatte zwar das Einnehmen von schwierigen Asanas erleichtert, aber im Gegenzug die Körperspannkraft, Core-Stabilität und teilweise die Mikrokoordination der Muskulatur herabsetzt. So ist mittlerweile ein kleiner Trend in Richtung 'weniger rutschfest ist besser für die Muskelentwicklung und Koordination' erkennbar.

Und in mehr spirituellen Yogastilen, wie beispielsweise Kundalini-Yoga, achtet man gerne darauf, dass nur Naturmaterialien wie Wolle oder Baumwolle zum Einsatz kommen, da diese die Aura, das elektromagnetische Feld um den menschlichen Körper, besser schützen und isolieren. Das ist ebenfalls ein gewichtiges Argument für die Auswahl von Yogakleidung und deren Materialzusammensetzung, nur mal am Rande erwähnt. Auch kommen mehr und mehr Yogaübende zu der Erkenntnis, dass Naturmaterialien angenehmer im Hautkontakt sind, hauptsächlich bei Übungen im Liegen oder Sitzen. Von der Entspannung in der Totenlage (Shavasana) ganz zu schweigen. So werden für Yin-Yoga, Feldenkrais, Faszienarbeit, Thai-Yoga Massagen und Yoga Therapie Arbeiten ganz allgemein hochwertige Schurwoll- oder gefütterte Futonmatten mit Baumwollbezug immer beliebter.

Viele Yogaübende kennen gar nicht mal so genau ihren Yogastil und machen eine Mischung aus vielen Einflüssen, von körperlich-sportlich über achtsam-langsam bis hin zu meditativ-ruhig. Hier empfiehlt sich in den allermeisten Fällen eine Allround-Matte aus PVC oder TPE mit einer Breite von 60 Zentimetern. In der Regel sind ca. 4,5 mm Stärke ausreichend für genügend Dämpfung auch bei härteren Böden und bieten trotzdem hinreichend Komfort für Liegeübungen. Diese Matten müssen nicht teuer sein und gibt es - in guter Qualität - schon ab ca. 25 Euro. Achten Sie am besten darauf, dass die Yogamatten in Deutschland hergestellt wurden und nach Öko Tex 100 Produktklasse 1 schadstoffgeprüft sind. In Kombination mit einem Yogatuch oder einem großen Handtuch kann man die meisten Yoga-Anwendungsfälle gut abdecken.

Nun erzieht Yoga ja zur Achtsamkeit gegenüber der Umwelt und die steigende Nachfrage nach umweltfreundlichen Yogamatten führte zu einer wahren Flut an 'Öko-Matten'. Naturkautschuk, Kork, Jute, Schurwolle oder auch Baumwoll-Yogateppiche werden gerne als Öko- oder Umweltmatten beworben.  Allerdings ist bei vielen dieser Matten ein nicht unerheblich großer Anteil an Kunststoffen enthalten, so dass nicht alles Natur ist, was nach Natur ausschaut. Das umso mehr, wenn man dann noch auf den Herstellungsprozess, die Materialzusammensetzung, die Umweltbilanz für Produktion und Transport, der Nutzungsdauer und schließlich auf die Auswirkungen bei der Entsorgung achtet. Im nächsten Blogbeitrag möchte ich deswegen ein wenig die Nachhaltigkeit im Produktionsprozess der Yogamatten beleuchten.

Jürgen Laske
Geschäftsführer der Bausinger Yogamanufaktur

Mehr über Jürgen Laske und die Bausinger Yogamanufaktur im Interview.

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