Zwischen Wintermüdigkeit und Frühlingskraft:
Wie Ayurveda & Yoga Dich jetzt unterstützen
Wenn die Tage langsam heller werden, die Sonne wieder Kraft bekommt und gleichzeitig noch Kälte, Feuchtigkeit und Schwere in der Luft liegen, befinden wir uns, aus ayurvedischer Sicht, in einer fordernden Übergangsphase: dem Wechsel vom Spätwinter ins Frühjahr.
Im Ayurveda wird diese Zeit dem Kapha-Dosha zugeordnet. Jenem Prinzip, das für Struktur, Stabilität und Erdung steht und die Qualitäten kalt und feucht verkörpert.
Ralph Schultheiß
Nach dem kalten, oft trockenen (Hoch)Winter, in den die Qualitäten des Vata, trocken und kalt dominieren, sammelt sich im Körper Kapha an. Mit den ersten wärmeren Tagen beginnt dieses gespeicherte Kapha zu „schmelzen“.
Das kann sich zeigen durch:
- Müdigkeit und Trägheit
- Verschleimung, Erkältungen, Heuschnupfen
- Schweregefühl im Körper
- Antriebslosigkeit oder emotionale Lethargie
Ayurveda versteht diese Symptome nicht als „Störung“, sondern als natürlichen Reinigungsprozess. Der Körper möchte Altes lösen. Deshalb ist diese Zeit ideal für Leichtigkeit, Aktivierung und sanfte Ausleitung.
Mit diesen Tagesroutinen kannst du der Schwere und der Frühlingsmüdigkeit, die sich durch das erhöhte Kapha manifestieren, entgegenwirken:
Stehe früher auf: Kapha-Zeit ist zwischen 6–10 Uhr morgens. Wer länger schläft, verstärkt die Schwere. Wenn du es schaffst, stehe vor 6 Uhr auf. Dann ist Vata Zeit: leicht und beweglich.
Aktivierende Bewegung
- zügige Spaziergänge in der Natur; Nordic Walking;
- tanzen und alles, was deinen Kreislauf in Schwung bringt.
Bewegung hilft, stagnierendes Kapha zu mobilisieren.
Aktivierung von innen & außen
- immer, wenn du die Zeit dafür findest, massiere dich mit angewärmtem Sesamöl ein oder benutze ein spezielles Kapha Massageöl und lasse es ca. 15 Min. einwirken.
- wechsle diese Ölmassage mit einer Trockenbürstenmassage ab
- dusche dann warm
- Infrarot oder Sauna (falls passend)
- morgens ein kleines Glas warmes Ingwerwasser in kleinen Schlucken trinken
Kälte und Feuchtigkeit erhöhen Kapha – Wärme wirkt ausgleichend.
Ernährungstipps im Spätwinter & Frühjahr
Im Ayurveda gilt: Gegensätze gleichen aus. Da Kapha schwer, kalt, feucht und träge ist, sollten wir Nahrungsmittel zu uns nehmen, die hauptsächlich die Qualitäten: leicht, warm und trocken haben. Bevorzugte die Geschmacksrichtungen: scharf, bitter und herb.
Besonders geeignet sind:
- gedünstetes Gemüse (Brokkoli, Lauch, Spinat)
- Hülsenfrüchte
- leichte Getreide wie Gerste oder Hirse
- bittere Salate
- weniger Milchprodukte
- weniger Zucker
Gewürze sind im Ayurveda Medizin. Besonders hilfreich in dieser Zeit sind:
- Ingwer – aktiviert Agni (Verdauungsfeuer)
- Kurkuma – reinigend & entzündungshemmend
- Schwarzer Pfeffer – schleimlösend
- Trikatu (Ingwer, Pfeffer, Pippali/ Langpfeffer) – klassisches Kapha-Gewürz
- Koriander & Kreuzkümmel – verdauungsfördernd
Mentale Ebene
Auch in der mentalen Ebene zeigt sich Kapha als Anhaftung, Unflexibilität und Trägheit in Gedanken.
Der Frühling lädt ein, loszulassen: überprüfe alte Routinen, mache Frühjahrsputz und entrümple Sachen, die du nicht mehr benutzt. Jetzt ist auch die Zeit Neues zu beginnen und Kreativität zuzulassen. Frage dich: was darf gehen und was möchte wachsen?
Aber stresse dich nicht. Die Übergangszeit vom Spätwinter ins Frühjahr ist kein abruptes Erwachen, sondern ein sanftes Auftauen. Wenn wir jetzt Leichtigkeit kultivieren, Wärme integrieren und unser Verdauungsfeuer stärken, schaffen wir eine stabile Basis für das gesamte Jahr. Ayurveda erinnert uns daran: Wir sind Teil der Natur. Wenn sie sich wandelt, dürfen auch wir uns neu ausrichten.
Sophia Shillik
Meine Tipps als Yogalehrerin:
Praktiziere Kapalabhati besonders nach dem Aufstehen. Es aktiviert das Verdauungsfeuer (Agni), löst Stagnation, wirkt schleimlösend und bringt mentale Klarheit
Lege in deiner persönlichen Asana Praxis, den Schwerpunkt aus aktivierende Asanas oder Sequenzen wie den Sonnengruß (Surya Namaskar). Utkatasana (Stuhlhaltung), Drehungen im Stand oder aus dem Sitz.
Meditationstipp: „Inneres Auftauen“
Setze dich nach deiner Praxis für 5–10 Minuten in Stille und visualisiere das folgende innere Bild: unter einer Schneedecke beginnt die Erde zu tauen. Erste grüne Triebe brechen aus der Erde hervor. Warmes Sonnenlicht wärmt deinen Körper; Vögel zwitschern usw.
Kickstart gegen die Frühjahrsträgheit
Wenn du dir ein ganzes Wochenende als Kickstart gegen die Frühjahrsträgheit Zeit nehmen möchtest, empfehle ich dir dieses 3-Tage-Frühlingsimpuls-Selfcare-Wochenende.
Ein kleines, bewusst gestaltetes Wochenende kann Wunder wirken. Kein radikales Detox, sondern liebevolle Aktivierung.
Tag 1: Loslassen & Klären
Fokus: Raum schaffen
- Trockenbürsten (Garshana) vor dem Duschen
- Kapalabhati am Morgen
- leichte, warme Mahlzeiten (z. B. Gemüsesuppe mit Ingwer & Kurkuma)
- 30 Minuten Entrümpeln (Schrank, Schreibtisch)
- abends: Digital Detox & früh schlafen
Stelle dir selbst die Frage: was beschwert mich, körperlich oder emotional?
Tag 2: Aktivieren & Stärken
Fokus: Energie aufbauen
- frühes Aufstehen (vor 6 Uhr)
- dynamische Yogapraxis mit Sonnengrüßen
- Spaziergang an der frischen Luft
- Gewürztee mit Ingwer, schwarzem Pfeffer & etwas Honig
- warmes, nährendes Essen, wie z.B. Kichari mit (rotem) Reis; den gibt es auch aus Europa; z.B. aus der Camargue
- kreatives Tun (schreiben, malen, singen)
Frage dich: Was möchte ich in diesem Frühling nähren?
Tag 3: Ausrichten & Einladen
Fokus: Bewusstes Neu-Ausrichten
- sanfte Praxis + Drehungen
- Meditation „Inneres Auftauen“
- leichtes, frühes Abendessen
- Intention für die kommenden Wochen formulieren
Vielleicht schreibst du dir einen Satz auf wie: „ich erlaube mir Leichtigkeit und lade Wachstum ein.“
Mein persönlicher Impuls an Dich
Diese Übergangszeit fühlt sich für mich nie spektakulär an – eher leise. Wie ein Atemzug zwischen zwei Kapiteln.
Wenn wir beginnen, im Einklang mit diesen feinen Veränderungen zu leben, entsteht eine neue Form von Vertrauen: wir müssen den Frühling/ das Wachstum nicht erzwingen. Wir dürfen es einladen.
Und manchmal beginnt es ganz still – in einem bewussten Atemzug am frühen Morgen.
Herzlichst Deine Rita
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