Wo Bali noch Bali ist
Eine andere Perspektive auf die Insel der Götter
Über sechs Millionen Menschen reisen jedes Jahr nach Bali. Die meisten bleiben im Süden, rund um die Beach Clubs und Surfstrände von Kuta, Seminyak und Canggu. Wer heute an Bali denkt, denkt oft an diesen einen Ausschnitt. Dabei fängt das eigentliche Bali häufig erst etwas weiter an.
Bali aus einer anderen Perspektive zu sehen heißt, den Blick zu verschieben. Das wahre Bali ist kein Ort auf der Karte, den man abhaken kann. Es ist eine Haltung, wie die tägliche Sorge um das Gleichgewicht zwischen Mensch, Natur und dem Göttlichen, sichtbar in den Opfergaben vor jeder Tür, den Zeremonien und der Herzlichkeit der Menschen. Dieses Bali verschwindet nicht, wenn der Tourismus wächst. Es zieht sich nur zurück.
Carrie Oh Photogrpahy
Wir haben drei unserer Partnerhäuser befragt, die dieses andere Bali erlebbar machen: Puri Dajuma im Westen, Zen Resort und Holiway Garden im Norden. Alle drei liegen abseits der bekannten Routen und jedes zeigt die Insel aus einem eigenen Blickwinkel.
Puri Dajuma: Die Entdeckungsreise
Puri Dajuma liegt an der Schwarzsandküste Westbalis, nahe dem Nationalpark und dem Surfspot Medewi, inmitten eines Naturschutzgebiets. 1998 verliebte sich eine französische Familie in Indonesien und blieb. Heute stammen fast alle Mitarbeitenden aus der direkten Umgebung. Das Haus versteht sich als Ort, an dem Gäste das ursprüngliche Bali erleben, und richtet seinen Alltag nach der balinesischen Lebensphilosophie Tri Hita Karana aus, der Harmonie zwischen Mensch, Gott und Natur.
Diese Haltung bleibt nicht Theorie. Bei wichtigen Entscheidungen spricht das Puri Dajuma mit dem Dorfoberhaupt und den religiösen Vertretern und unterstützt lokale Initiativen, von einer Tanzschule bis zum Meeresschildkröten-Schutzprojekt.
Erlebbar wird das auf der neuen Tour „A Slow Journey Through West Bali“: Sie führt auf eine Kakaoplantage mit Verkostung direkt vom Baum, in eine Werkstatt zur Kakaoverarbeitung, zum Stausee Palasari mit seiner katholischen Kirche, wo balinesische und katholische Kultur aufeinandertreffen, und auf eine Drachenfrucht-Farm.
Auch im Alltag holt das Haus das Dorf herein, mit kostenlosen wöchentlichen Aktivitäten von Dorfspaziergängen über balinesisches Kochen bis zum Tanzunterricht. „Abseits der Pfade“ heißt hier, laut Gründer Louis, Bewegung dorthin, wo es leiser wird und die Umgebung wird Teil der Reise.
Zen Resort: Der Rückzug
Das Zen Resort liegt oberhalb der Küste bei Umeanyar, gegründet 2004, direkt neben einem alten Tempel und dem Dorf Desa Ume Anyar. Ayurveda, Yoga und Tauchen greifen hier zu einem Konzept ineinander.
Rund um das Resort liegen eine eigene Bio-Landwirtschaft mit Reisfeldern und ein 300 Meter langer Reflexzonenpfad durch Wald und Feld. Tauchgänge führen zum Biorock-Projekt vor Pemuteran, einem der größten Korallenriff-Restaurationsprojekte der Welt. In der Umgebung warten die heißen Quellen von Air Banjar sowie Tempel und Bergdörfer im Hinterland.
Bei Zen gehören Rückzug und Spiritualität zusammen. Zu jedem Vollmond feiert das Haus eine balinesische Segnungs- und Reinigungszeremonie mit Weihwasser, Gesängen und Meditation.
„Man muss das echte Bali hier nicht suchen. Es ist der Ausgangspunkt."
– Gründer vom Zen Resort Dr. Mahendra Shah
Holiway Garden: Die Verwurzelung
Holiway Garden liegt an der Nordostküste bei Sambirenteng. Der Name stammt vom „Jalan Suci“, dem Heiligen Weg, der durch das Gelände zum Meer führt. Einmal im Jahr nutzen ihn die Einheimischen für eine Zeremonie, und das Haus hält ihn bewusst offen. Holiway steht zugleich für „holistic way of life“, und das balinesische Prinzip von Yin und Yang, die Balance von Geben und Nehmen, prägt das Haus.
Gründerin Maria Dörr lebt seit 2009 auf Bali und führt das Resort mit einem überwiegend einheimischen Team. Auf die Frage, wie sie diesen Ort gefunden habe, antwortet sie: „Das Grundstück hat uns gefunden.“ Gebaut wurde nach Feng-Shui-Prinzipien, mit Holz, Naturstein und Neemöl. Vor der Anlage liegt ein Korallenriff unter Naturschutz.
Am stärksten zeigt sich die Verbindung zum Dorf im gemeinsamen Handeln. Zusammen mit dem Bürgermeister von Sambirenteng hat das Holiway einen Wertstoffhof aufgebaut, ein resorteigener Verein unterrichtet rund 200 Kinder wöchentlich in Englisch und Umweltbildung. Ausflüge führen zu Kleinstunternehmen der Region, zur Weberei, zum Palmzuckerhersteller, zu den Salzmachern. Abseits der Touristenpfade ist hier eine Lebensform, verwoben mit dem Dorf, seinen Menschen und seinen Ritualen.
Was sich daraus ableiten lässt
Natürlich hat sich das Leben auf Bali verändert. Der Verkehr ist gewachsen, mehr Menschen sind unterwegs. Und doch bewahrt die Insel ihre Kultur auf eine Weise, die man kaum irgendwo sonst findet. Reisbäuerinnen legen morgens Opfergaben aus, Dörfer richten ihren Kalender nach Zeremonien, über allem steht Tri Hita Karana, das Streben nach Harmonie zwischen Mensch, Natur und dem Göttlichen.
Wer den Süden verlässt und die ganze Insel erkundet, findet, was Bali ist und bleibt: die Insel der Götter mit ihrem spirituellen Kern, ihren Ritualen, ihrer wilden Natur und Menschen, die ihre Herzlichkeit jeden Tag leben. Genau dort setzen unsere drei Häuser an. Dajuma sucht dieses Bali als Reise, Zen lebt es als Rückzug, Holiway trägt es als gewachsene Nachbarschaft in sich. Keines wirbt mit „authentisch“ oder „abseits“. Es steckt in dem, wie sie gebaut sind, wen sie beschäftigen und was sie täglich tun.
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