„Am Kap wärmt die Sonne von außen, das Yoga von innen.“
Reiseleiter Manfred Engelmann über Kapstadt
Seit über 20 Jahren lebt Manfred Engelmann am Kap und begleitet Reisende durch Südafrika. Im Interview erzählt er, was die Stadt mit Menschen macht und was sie mit nach Hause nehmen.
Du hast 1996 Dein Herz an Afrika verloren. Was genau ist damals in Dir passiert, und spürst Du das heute noch?
1996 stand Südafrika nach dem Ende der Apartheid vor einer ungewissen Zukunft. Nelson Mandela war Präsident, die ganze Welt blickte gespannt auf das Land. Dann fuhr ich von Kapstadt nach Stellenbosch, sah diese Weinlandschaft und war hin und weg. Das Afrika-Virus hatte mich erwischt, und es hat mich bis heute nicht losgelassen. Je länger ich hier lebe, desto mehr fühle ich mich selbst als Afrikaner. Gleichzeitig liebe ich Deutschland. Beide Länder in meinem Leben zu haben, ist für mich ein Traum.
Gibt es eine Haltung, die Du erst in Südafrika gelernt hast?
Gelassenheit. In Deutschland lebte ich nach dem Terminkalender. Hier habe ich gelernt: „Just now“ kann in fünf Minuten heißen oder in zwei Stunden. Am Anfang hat mich das wahnsinnig gemacht. Heute schätze ich es. Die Menschen nehmen sich Zeit füreinander, und das zählt mehr als Pünktlichkeit.
Und ich habe Ubuntu kennengelernt. Das Wort stammt aus dem Zulu und Xhosa und bedeutet: Ich bin, weil wir sind. Man grüßt sich, fragt, wie es dem anderen geht und meint die Frage ernst. Niemand steht für sich allein.
Südafrika hat mich gelehrt, vieles entspannter zu sehen und mich mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Gegensätze zwischen Arm und Reich, die Menschen, das besondere Licht und die Gerüche prägen einen. Dieses Land hat mir unglaublich viel beigebracht. Vieles davon kann man gar nicht in Worte fassen.
Du begleitest seit über 20 Jahren Reisende. Was verändert sich bei Deinen Gästen am Kap?
Am ersten Tag bringen die Gäste den deutschen Winter mit. Grau im Gesicht, die Schultern hochgezogen, das Handy in der Hand. Viele wollen alles sehen, alles planen, nichts verpassen.
Nach einigen Tagen in Südafrika oder Namibia beobachte ich oft, dass sie ruhiger werden und wieder bewusster wahrnehmen. Die Ruhe, das Licht, die Natur und die Gerüche haben etwas ganz Besonderes, beinahe Meditatives. Dazu kommen die Menschen, die verschiedenen Kulturen und natürlich das gute Essen. Es ist diese Kombination, die viele Gäste nachhaltig beeindruckt.
Am deutlichsten sehe ich es an den Augen. Die Gäste schauen wieder hin: auf das Licht über den Bergen, auf einen Vogel im Fynbos, auf den Menschen gegenüber. Für mich ist das der schönste Teil meiner Arbeit, zu sehen, wie jemand wieder bei sich ankommt.
Mit African Retreats verbindet ihr Reisen mit Yoga, Qigong und Gesundheit. Wie ist diese Idee entstanden, und was erleben Gäste dadurch anders?
African Retreats verbindet meine über zwanzigjährige Erfahrung in Südafrika, Namibia und Botswana mit der Idee, Reisen individueller und ganzheitlicher zu gestalten. Gemeinsam mit Jana, die Erfahrung im Gesundheitsbereich mitbringt, entstand die Idee, Natur, Genuss, Yoga, Qigong und persönliche Gesundheitsangebote miteinander zu verbinden. Dafür arbeiten wir mit verschiedenen Fachleuten zusammen, die je nach Bedarf eingebunden werden können. Es geht darum, Menschen Raum zu geben, zur Ruhe zu kommen, neue Energie zu sammeln und Afrika auf eine besonders persönliche Weise zu erleben. Denn ich bin überzeugt, dass dieses Land mit seinem Licht, seiner Weite, seinen Menschen und seiner Tierwelt eine ganz besondere Kraft besitzt.
Südafrika ist ein Land voller Gegensätze. Wie gehst Du selbst damit um, und was sollten Reisende darüber wissen?
Die Gegensätze sind extrem. Neben großer Schönheit und moderner Infrastruktur stehen Armut und soziale Ungleichheit. Wer zum ersten Mal an den großen Townships vorbeifährt, muss das erst einmal verarbeiten. Gleichzeitig beeindruckt mich, wie Familien und Gemeinschaften zusammenhalten und sich gegenseitig tragen. Romantisieren sollte man die Probleme nicht, und umsichtig sein gehört dazu. Wer den Menschen aber offen und respektvoll begegnet, lernt viel über andere Lebenswelten und über sich selbst.
Was sollen die Gäste aus Kapstadt mit nach Hause nehmen?
Ich wünsche mir, dass unsere Gäste glücklich und erholt nach Hause fahren, neue Energie mitnehmen und noch lange von ihren Erlebnissen zehren können. Reisen bildet, eröffnet neue Perspektiven und kann etwas in uns verändern.
Und natürlich hoffe ich, dass sie ein Stück der besonderen Energie Afrikas im Herzen behalten. Diese Weite gehört Dir, egal wo Du bist. Das Kap hat sie nur freigelegt. Wenn ein Gast das spürt, hat die Reise ihr Ziel erreicht. Ich sage immer: Wer sich einmal mit dem Afrika-Virus infiziert hat, kommt meistens wieder. Afrika behält man im Herzen, wenn man einmal hier war.
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