Getragen von Erde, Wasser und Atem
Eine Yoga-Reise durch Costa Rica – vom Vulkan bis zum Ozeanrauschen
Manche Reisen beginnen nicht mit einem Schritt, sondern mit einem Gefühl. Dem Gefühl, dem Alltag für einen Moment zu entgleiten und sich einem Land anzuvertrauen, das wilder, grüner und kraftvoller ist, als man es sich vorstellen kann. Unsere Reise durch Costa Rica war genau das: ein Eintauchen in Natur, Bewegung und Präsenz.
In Alajuela, unweit des internationalen Flughafens von San José, empfing ich die Reisegruppe im Buena Vista Chic Hotel. Eingebettet in sanfte Kaffeeplantagen eröffnet sich von hier ein weiter Blick bis nach San José, ein erstes Innehalten nach der langen Anreise. Die Teilnehmenden waren aus Deutschland, der Schweiz und Luxemburg angereist. Für die meisten war es die erste Begegnung mit Costa Rica. Was sie verband, war ein gemeinsamer Wunsch: dieses besondere Land mit all seiner artenreichen Pflanzen- und Tierwelt zu erleben und gleichzeitig tiefer in die Yogapraxis einzutauchen.
Regenwald, Vulkankraft und tiefes Grün – La Fortuna und der Arenal
Am nächsten Morgen begann unsere gemeinsame Weiterreise ins Landesinnere. Unser erstes großes Ziel: La Fortuna und der majestätische Arenal-Vulkan. Hier erwartete uns Regenwald pur. Wir wohnten in gemütlichen Holzbungalows im Hotel Lomas del Volcan, umgeben von üppigem Grün, tropischen Pflanzen und der unmittelbaren Präsenz dieses kraftvollen Ortes. Zum ersten Mal wurde für alle die wahre Intensität Costa Ricas spürbar: das tiefe Grün, das Spiel der Farben, die allgegenwärtigen Geräusche des Dschungels und die Energie des Vulkans im Hintergrund.
Am darauffolgenden Tag wanderten wir über die alten Lavafelder des Arenal. Vor uns öffnete sich eine weite Aussicht auf den Lago Arenal. Der große Stausee glitzerte in der Sonne und ergänzte das imposante Vulkanpanorama auf eindrucksvolle Weise. Die Mischung aus Weite, Stille und spürbarer Naturgewalt war für uns alle überwältigend. Nach der Wanderung war die anschließende Yin-Yogapraxis mit sanften, wohltuenden Dehnungen genau der passende Ausgleich, den Körper und Geist brauchten, um diese Eindrücke zu integrieren.
Hola Pazifikküste – Zwischen Brüllaffen und Atemzügen
Nach drei Nächten in der Nähe des Vulkans führte uns die Reise weiter an die Pazifikküste nach Montezuma, einem kleinen, entspannten Ort, an dem die Zeit langsamer zu vergehen schien. Der Künstlerort hatte sich seinen besonderen Charme bewahrt: kleine Cafés, Straßenstände, tropisches Grün, Wasserfälle, unberührte Strände und Sonnenaufgänge, die den Himmel in rot, orange, violette Farbtöne tauchten.
Unser Zuhause für diese Tage war das Hotel Nya, nur wenige Schritte vom Strand entfernt. Eine liebevoll gestaltete Oase, eingebettet in üppige Natur und Palmen mit einem weiträumigen, offenen Yogadeck mitten im Dschungel. Im Rhythmus des Meeresrauschens und begleitet von den Klängen der Natur flossen wir durch unsere Vinyasa-Yoga-Flows. Manchmal wurden wir dabei von Brüllaffen unterbrochen, die hoch oben in den Bäumen ihre Präsenz lautstark ankündigten. Auch das war Teil der Praxis, eine wunderbare Übung in Achtsamkeit, Gelassenheit und einem inneren Lächeln.
Fließende Asanas – Yoga im Herzen der Wildnis
Unsere Reise führte uns weiter in den Süden, nach Uvita, an die wilde Pazifikküste Costa Ricas. Südlich von Dominical gelegen, grenzt der Ort an den Marino-Ballena-Nationalpark mit seiner berühmten Walflossen-Sandbank. Bei Ebbe wird diese beeindruckende, walflossenförmige Sand- und Felsformation sichtbar und wir konnten über die Sandbank spazieren, umgeben von einer unendlichen Weite. Vier Tage lang verbrachten wir an diesem besonderen Ort in der Cusinga Lodge. Sie liegt auf einer sanften Anhöhe, dort, wo der üppige Regenwald auf die Weite des Ozeans trifft. Die Sonnenuntergänge hier waren schlicht atemberaubend.
Ein absolutes Highlight war eine Bootstour, bei der wir Wale beobachten konnten. Die Meeresbrise auf der Haut, der Blick über das offene Wasser und dann das kraftvolle Auftauchen eines Wals, dessen riesige Flosse sich vor unseren Augen aus dem Meer erhob. Ein Moment, der uns für kurze Zeit sprachlos machte.
Yoga als Weg hinein in die Erfahrung
Diese Reise war weit mehr als ein Aufenthalt an außergewöhnlichen Orten. Sie war ein Prozess des Ankommens, im Außen wie im Innen. Jeder Ortswechsel, jede neue Landschaft brachte auch eine innere Bewegung mit sich. Yoga begleitete uns dabei als stiller Anker: durch bewussteres Atmen, das sanfte Loslassen von Erwartungen und das Öffnen für eine feinere Verbindung zu uns selbst und zur neuen Umgebung.
Vielleicht liegt genau darin das besondere Geschenk dieser Reise und die eigentliche Kunst des Reisens. Nicht nur von einem Ort zum nächsten zu gelangen, sondern sich unterwegs berühren, verändern und neu ausrichten zu lassen. Mit jedem Atemzug ein wenig mehr anzukommen, mit jeder Praxis ein Stück tiefer zu spüren, was gerade da ist. Auch diese anfängliche Phase des Einfindens gehört untrennbar zu dieser Reise dazu, ebenso wie die großen, leuchtenden Momente. Sie erinnert uns daran, wie sensibel, flexibel und lebendig wir sind. Neue Orte fordern uns heraus, bevor sie uns beschenken. Und genau darin liegt ihre Kraft: Sie öffnen Räume, in denen wir wachsen, uns neu begegnen und reicher weiterziehen, als wir angekommen sind.
Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem der Gedanke entsteht: Beim nächsten Mal möchte ich dabei sein.
Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf unsere nächste Reise im April 2026.
Namasté!
Carmen Rodina
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