Nadine und Reiseleiterin Ejaz
07.01.2019 NEUE WEGE Team Nadine Zangerle

Reisebericht: Unter Mönchen und Nomaden – Ladakh


Unsere Kollegin lässt ihren Blick in die Ferne schweifen
Auf dem Weg zum Kloster Diskit
In der Klosterküche gibt es leckeren Buttertee
Neugierige Nomadenkinder
Unterwegs begegnen uns immer wieder Yaks
Die Vegetation des Nubra Valley
Das Kloster Hemis
Auf dem Weg in Richtung Alchi gab es die leckersten Aprikosen die ich je gegessen hatte
Der gigantische Tsomoriri See in Ladakh

Wir waren schon ganz aufgeregt. Jahre zuvor waren wir in Tibet und waren immer noch zu tief beeindruckt von diesem faszinierenden Land mit seinen liebevollen Bewohnern. Wie würde Ladakh wohl sein? Wirklich wie das „kleine Tibet“, wie man es auch nannte?

Nach einer Nacht in Delhi flogen wir am nächsten Morgen nach Leh, die Hauptstadt von Ladakh im nordindischen Bundesstaat Jammu und Kashmir. Die Bergkette des Himalaya ist und bleibt atemberaubend von oben. Die karge Landschaft schien unendlich und als sich plötzlich ein grünes Tal eröffnete, wussten wir, dass wir da waren.

Zumal Leh bereits auf 3.500 Höhenmetern liegt, wollten wir am ersten Tag nur einen kleinen Spaziergang über den Basar machen, um uns langsam zu akklimatisieren. Da uns ein Mönch netterweise mit seinem Auto mitnahm, nachdem ich ihn nach dem Weg fragte, verliefen wir uns in dem Gassengewirr auf dem Rückweg und aus der kleinen Runde wurde eine ausgiebige Tour. Leh ist touristisch sehr erschlossen und ich war überrascht über die vielen Hotels, die noch gebaut wurden. Und dennoch gefiel uns Leh als Ausgangspunkt.

Am nächsten Morgen lernten wir Dolma, unsere Reiseleitung und Ejaz, unseren Fahrer kennen. Mit ihnen entdeckten wir die faszinierende Kultur des tibetischen Buddhismus, der in Ladakh überwiegend gelebt wird. Vom Leh-Palast, der dem Potala in Lhasa nachempfunden ist, hatte man einen fantastischen Ausblick auf die vielen Gassen von Leh und die umliegende Landschaft.

Früh morgens standen wir auf, um die beeindruckende Puja im Gelbmützenkloster von Thikse mitzuerleben. Auf dem Weg dorthin kamen wir an der Festung von Shey und an unzähligen weißen Chörten vorbei. Auf einem Hügel gelegen, mit Blick über das fruchtbare Industal, wirkte Thikse schon von weitem imposant. Aber der Blick vom Dach des Klosters war atemberaubend. Von dort bliesen zwei Mönche in große Muschelhörner mit kunstvoll getriebenen Metallbeschlag, um die Puja einzuleiten. Und so tauchten wir ein in eine besondere Atmosphäre der Mantras rezitierenden Mönche, die von speziellen Instrumenten bei dieser Zeremonie begleitet wurden. Der Buttertee, den wir während der zweistündigen Puja erhielten, ist nahrhaft aber auch gewöhnungsbedürftig. Danach erkundeten wir längst nicht mehr müde vom frühen Aufstehen die verschiedenen Räume dieses großen Klosterkomplexes und den beeindruckenden Maitreya-Tempel. Die reich geschmückte Buddha-Statue der Buddha der Zukunft – sitzt auf einer Lotusblüte.

Weiter ging es zum größten und reichsten Kloster in Ladakh – Hemis. Durch die Lage in einem versteckten Seitental blieb Hemis oft vor Plünderungen verschont. Im Museum kann man Thankas und Masken bewundern und ich konnte mir die imposanten Maskentänze, die einmal im Jahr stattfinden, regelrecht vor meinem inneren Auge sehen.

Auf dem Rückweg nach Leh waren wir bei Dolmas Freundin zum Essen eingeladen. Was für ein besonderes Erlebnis das war. Skiu, eine Art Suppe mit Teigtaschen war unglaublich köstlich. Und die Frauen im Haushalt waren einfach süß und wir waren begeistert von ihrer Offenheit und Gastfreundschaft.

Da wir für die 2 ½ Wochen ein umfangreiches Programm mit vielen Klöstern und Festungen hatten, möchte ich mich in meinem Bericht ein wenig eingrenzen. Hier könnte ich ein Buch darüber schreiben. Und dennoch fällt es mir schwer, mich auf die eine oder andere Sehenswürdigkeit zu beschränken.

Anfangs von der Fülle an Informationen über tantrischen Buddhismus nahezu erschlagen, machten wir uns bereits am zweiten Tag den Spaß, in den Klöstern die buddhistische Götterwelt zu bestimmen. Ich kann sagen, am Ende unserer Reise waren wir schon richtig gut. Von den acht Bodhisattvas fand ich den Avalokiteshvara am beeindruckendsten. Er verkörpert unendliches Mitleid, Güte und Barmherzigkeit, ist der Schutzpatron Tibets und nimmt die Form des Dalai Lama an.

Aber zurück zu den Sehenswürdigkeiten. Was ist mit der Landschaft, die ich am Anfang erwähnte? Nahezu unbeschreiblich schön fuhren wir entlang des Indusflusses nach Basgo, Likir, Alchi und Lamayuru. In die Burg von Basgo mit diesem atemberaubenden Blick über die Berge und Täler hatte ich mich direkt verliebt. Nicht, dass diese damalige königliche Zweitresidenz besonders gut restauriert war, aber das Ganze hatte mich tief berührt. Vielleicht war es auch die Fahrt dorthin mit den vielen Kontrasten. Die karg wirkenden Berge, die in vielen Farbpaletten schimmerten, die fruchtbaren Täler und die süßesten Aprikosen, die ich je in meinem Leben gegessen hatte. Wir kamen nicht umhin, bei einer älteren Ladakhi-Frau mit Perak, einer besonderen Kopfbedeckung aus Leder und besetzten Türkisen, zwei Dosen voll mit Aprikosen zu kaufen.

Über den höchstbefahrbaren Pass der Welt – den Kardong-La (5.606m) – ging es dann ins atemberaubende Nubra-Tal. Bis North Pulla ist die Straße aufgrund des starken Aufkommens von indischem Militär gut asphaltiert – wir sind ja in der Nähe der pakistanischen und chinesischen Grenze – danach wird es dann abenteuerlich. Hier mussten wir aufgrund eines Erdrutsches warten, bzw. unser Fahrer mit Auto. Kurzerhand wanderten wir an den wartenden Fahrzeugen vorbei zum Pass, um diesen einmaligen Ausblick zu genießen.

Das Kloster von Diskit mit seinen 80 Mönchen hatte uns besonders beeindruckt und wir genossen es, den Tempel der Schutzgottheiten und die überdimensionale Maitreya-Statue zu bewundern. In der Klosterküche bekamen wir den üblichen Buttertee und probierten Baba, das unsere Mägen auf eine Probe stellte.

Wir hatten uns entschieden, auf einer eher unüblichen Route vom Nubra-Tal zum Tsomoriri-See zu fahren. Auch eher unüblich für das Militär, war die Straße überwiegend Schotterpiste und wir stoppten immer wieder, um wunderschöne Wildblumen, Yaks, Ziegen- und Pferdeherden zu bestaunen.

Nach einer Nacht unterhalb des Takthok-Klosters ging es vorerst auf Asphalt Richtung Manali weiter. In Upshi mussten wir dann am Kontrollposten unsere Genehmigung und Pässe vorlegen, als es dann schon wenig später auf einer enormen Schotterpiste entlang von schlummernden, gigantischen Murmeltieren und Kiangs (Wildesel) weiterging.

Ich hatte auf die Begegnung mit Nomaden am Tsomoriri-See gehofft und meine Erwartung wurde um Meilen übertroffen. Dolma mit ihrer offenen Art öffnete uns nicht nur in den Klöstern und Dörfern die Türen. So saßen wir in Nomadenzelten und plauderten dank ihrer Übersetzung bei einem reichen Buttertee und strengem Tiergeruch im Schneidersitz mit den Nomaden. Welch ungewöhnliche und reiche Erfahrung.

Auf den ersten Blick wirkt die Landschaft um den hoch gelegenen See (4.520m) wie eine Mondlandschaft, aber sieht man genau hin, blühen hier wunderschöne Blumen. Das geschickte Melken der vielen Ziegen in einem Nomadencamp, die unwahrscheinlich fröhlichen Kinder mit ihren laufenden Nasen und die wettergegerbten Gesichter dieser Menschen wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Und dann stand auch schon unsere letzte Etappe dieser Reise bevor. Wir wollten vom Tsomoriri-See über Manali nach Dharamsala. Ein Abenteuer, der über einige der höchsten Bergpässe der Welt führte. Um die holprige Straße beim Baralacha Pass aufgrund steigender Wassermassen durch Gletscherschmelze über den Tag passieren zu können, waren wir früh aufgebrochen. Doch eine Straßensperre machte unseren Frühstart zu Nichte und während wir 2 Stunden zusahen, wie eine Brücke notdürftig repariert wurde, schwanden unsere Chancen, mit dem Auto den Fluss zu passieren.

Die lange Fahrt wurde durch die lustigen Straßenschilder ein regelrechter Spaß:

„Don`t be silly in the hilly.“

„On the bend go slow friend.“

„Trees on – carbon dioxide gone.“

„Life is short, don’t make it shorter.“

Entlang endloser Serpentinen über schroffe Straßen, an tiefen Schluchten vorbei kamen wir nur langsam voran. Und als uns eine Gruppe von Ladakhi-Mönchen, die Dolma kannten, neben uns anhielten und uns vom passieren des Flusses abrieten, bereiteten wir uns schon auf eine Übernachtung im Auto vor.

Am besagten Fluss mit den tosenden Wassermassen, die morgens nur einem Rinnsal gleichen, steckte bereits ein Motorradfahrer fest und es dauerte geschlagene 30 Minuten, bis er wieder rauskam. Die LKWs mit ihren hohen Fahrwerken hatten keinerlei Probleme bei der Durchfahrt und wir stiegen aus, um uns zu beratschlagen. Ejaz, unser Fahrer beobachtete ganz genau die Situation und stieg plötzlich ein. „Ihr wartet hier“ rief er und fuhr los. Durch das wenige Gewicht und der perfekten Fahrtroute, die er wählte, war er im Nu auf der anderen Seite. Nun war nur noch die Herausforderung für uns, dorthin zu Fuß zu gelangen. Barfuß und die Hosen hochgekrempelt ging uns das eiskalte Gletscherwasser weit über die Knie und wir mussten der Strömung standhalten. Ejaz kam uns entgegen und half uns. Während dieser abenteuerlichen Kneipp-Aktion fuhr sich ein Fahrzeug komplett fest und wir waren froh, so einen erfahrenen Fahrer zu haben.

In Manali angekommen, ruhten wir uns nach dieser spektakulären Tour erst einmal aus und tauchten dann in die indisch-trubelige Stadt ein. Leider hieß es auch am nächsten Tag Abschied von unseren beiden lieb gewonnen Begleitern Dolma und Ejaz zu nehmen. Sie hatten uns so herzlich aufgenommen und ihre Kultur auf besondere Art und Weise näher gebracht.

Ein Fahrer brachte uns nach Dharamsala, wo wir über die windigen Straßen nach Mc Leod Ganj und in The Lodge nach Dharamkot zu unserem NEUE WEGE Freund Ashok kamen. Die tibetische Exilgemeinde Dharamsala war der perfekte Ausklang für unsere Reise und im Kulturkomplex Norbulinka konnten wir uns die traditionellen Handwerke wie die künstlerische Gestaltungen von Tankas, Herstellung von Statuen und noch vieles mehr ansehen. So tauchten wir noch einmal tief in den tibetischen Buddhismus ein, bevor wir unsere Heimreise antraten.

Es war eine unvergessliche Reise und auch wenn uns Anfangs die Berge aufgrund fehlender Vegetation karg erschienen, so hatten Sie bei genauer Betrachtung eine Intensität an Farben und Formen – genau wie deren Menschen.

 

Kommentar schreiben

* Diese Felder sind erforderlich

Kommentare

Keine Kommentare